TONSPION TIPP

Streaming-Dienste im Januar 2021: Your Honor, Cobra Kai, Pieces of a Woman, The Stand u.a.

Neue Filme und Serien auf den Streamingplattformen Netflix, Amazon, Sky, Joyn und TV now

Das neue Jahr legt ja gleich mal gut los: Netflix und Amazon werfen Oscar-Kandidaten ins Rennen, Sky schickt Bryan Cranston ein weiteres Mal in den Sumpf des Verbrechens und die jüngste Serienadaption eines Stephen King-Großromans feiert Premiere. Unser Filmexperte Christoph Prenner empfiehlt die besten Streaming Tipps für Januar.

Das TV-Programm der Streaming Dienste

▹ Netflix Serien

▹ Netflix Filme

Amazon Prime Serien

▹ Amazon Prime Filme

▹ Filme und Serien auf Sky

▹ Serien auf Joyn

▹ Filme und Serien auf TVnow

An sich hätte ich mich nach diesem so erschöpfenden Jahr schon über ein wenig Durchschnaufen gefreut. Aber nix da: Bis zu den Streaming-Anbietern hat sich der Wunsch nicht rumgesprochen – worüber ich letztlich aber selbstverständlich auch sehr dankbar bin.

Während der Lockdown die Tore der Lichtspielhäuser leider weiterhin fest verschlossen hält, wird das Wohnzimmer als letzter Rückzugsort der bewegten bunten Bilder so unverdrossen weiterhin mit hochwertigen Highlights bespielt, für die man in einer anderen Timeline wohl noch länger hätten warten müssen.

Sky Ticket und Sky Q

Um Sky sehen zu können, kannst du aus zwei Optionen wählen. Sky Ticket funktioniert als zeitlich begrenzte Eintrittskarte für einzelne Sparten, Sky Q bietet das volle Sky-Angebot aus Filmen, Serien und Sport. 

Mehr Informationen

Und so bietet der Januar, für gewöhnlich einer der bescheideneren Film-Monate, via Netflix und Prime gleich zwei der besten Produktionen, die die Filmfestspiele von Venedig 2020 zu bieten hatten. Ich hoffe natürlich sehr, dass Pieces Of A Woman und One Night in Miami…, die mich auf der großen Leinwand am Lido mit echten, fremden Menschen (!) in einem dunklen Saal sehr bewegt und begeistert haben, auch auf dem Homescreen ihre Wirkung entfalten können.

Christoph Prenner lebt für die Magie der bewegten Bilder – und schreibt auch gut sein halbes Leben schon mit aller gebotenen Euphorie über sie. Als langjähriger Chefredakteur des größten österreichischen Kinomagazins SKIP etwa oder als Entwickler und Chefredakteur von Prime Time, des einst ersten monatlich erscheinenden Serien-Magazins im deutschen Sprachraum. (Foto: Luca Senoner)

Your Honor (Staffel 1)

Bryan Cranston als Jedermann, der sich ob einer langsam aus dem Ruder laufenden Not-Situation zu immer verzweifelteren Aktionen genötigt sieht, die alles nur schlimmer machen: Ein bewährtes, beliebtes Erfolgsmodell.

Sieben Jahr nach dem Ende von Breaking Bad, dem Karrierehighlight des Schauspielers und ohne Zweifel eine der besten Serien der nicht nur jüngeren TV-Geschichte, verkörpert er in Your Honor nunmehr den titelgebenden „Euer Ehren“ – einen Richter, dem sein Teenager-Sohn übel in Bredouille bringt, der einen Autounfall mit Todesfolge verursacht hat, Fahrerflucht inklusive.

Weil das Opfer fatalerweise der Spross eines Mafiapaten (der tolle Michael Stuhlbarg mal als Fiesling) war, kommt sich stellen freilich nicht in Frage. Also versucht der mit allen juristischen Wassern gewaschene Daddy zu vertuschen, was geht … Wendungsreich geplottet, zwingend inszeniert, bis in die Nebenrolle (Margo Martindale!) bestechend gespielt: Aller Ehren wert!

Ab 18.01. auf Sky

Cobra Kai (Staffel 3)

Ursprünglich als eines der wenigen Serien-Originals von YouTube gestartet, mittlerweile aber dort gelandet, wo solche Produktionen auch wirklich geschaut werden: dieses hinreißende Update zum 80er-Jahre-Kultkampfsportfilm Karate Kid. Über drei Dekaden nach den damaligen Ereignissen kreuzen sich die Wege der beiden Kontrahenten erneut – aus den Karate Kids sind Familienväter geworden, einige Jahre und Kilos mehr auf den Knochen, aber immer noch mit derselben unbändigen Leidenschaft für ihren Sport. Da dauert es natürlich nicht lange, bis im und in Cobra Kai, das zu gleichen Teilen als nostalgieseliger, bittersüßer Fan-Service wie auch als Staffelstabübergabe an eine neue Generation von Fightern und Binge-Watchern gesehen werden kann, auch die alte Rivalität wiederaufflammt … Zumindest so lange halt, bis sich neuerdings die ewigen Widersacher Johnny und Daniel zusammentun müssen, um einen gemeinsamen gemeinen Geist aus der Vergangenheit daran zu hindern, ihre wieder entdeckten Träume zu Schutt und Asche ein für alle Mal zu zerschmettern.

Ab 01.01. auf Netflix

Pieces Of A Woman

Die extraintensiven ersten 20 Minuten der ersten englischsprachigen Produktion des Ungarn Kornel Mundruczo (White God) haben mich bei deren Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig schwitzen lassen wie noch kein Film im vergangenen Seuchen-Jahr – oder auch in einem der vergangenen. Aber was heißt überhaupt 20? Waren es nicht vielmehr doch 30, gar 40 Minuten, in deren Verlauf man locker eine Stecknadel fallen hören hätte können? Man traute sich ja echt nicht auf die Uhr schauen bei dieser in einem ultralangen Take gefilmten, Schritt für unheilvollen Schritt hochtragische Bahnen einschlagenden Hausgeburt, die den unvermeidbaren Beginn des Zerfalls eines eben noch so zukunftsfrohen Paares einläutete. Das, unterstützt von Mundruczos wundervoll naturalistisch nah am Geschehen bleibenden Inszenierung, von Vanessa Kirby (eine echte Sensation, bekannt aus The Crown, ebenfalls auf Netflix) und Shia LaBeouf mit einer dermaßen umwerfend unerschrockenen Dringlichkeit verkörpert wird, dass sich zumindest für erstere bald die erste Oscar-Nominierung in der Vita wiederfinden dürfte.

Ab 07.01. auf Netflix

The Stand (Staffel 1)

Sie ist ohnehin seit ewigen Zeiten ein eigenes hochpopuläres Genre in Film und Fernsehen, in den letzten Jahren hat sie, besonders dank dem ersten Es-Kinofilm, noch einmal an Aufwind gewonnen: die Stephen King-Adaption. Genau ein Jahr nach der sehr beglückenden HBO-Serienfassung von The Outsider landet nun eines der größten Gruselwerke des an großen Gruselwerken nicht armen Oeuvres des Horrorpapstes auf den Screens. Erneut, muss man sagen, denn einmal, 1994, wurde The Stand schon fürs TV aufbereitet. Doch unsere so seltsame Gegenwart dürfte dem Stoff eindeutig besser stehen – ist das Grauen hier doch ein globales, auf ein ultratödliches Virus zurückzuführendes, das binnen kürzester Zeit 99% der Menschheit dahingerafft hat. Weil es aber selbst in solchen extremen Notlagen, wie wir selbst Tag für Tag miterleben müssen, nicht möglich ist, sich auf gemeinsame Mindeststandards des weiteren Zusammenlebens zu einigen, läuft alles auf ein letztes Gefecht zwischen Gut und Böse – über Träume versammelt von der weisen 108-jährigen Mother Abagail (Whoopi Goldberg) bzw. dem ultramächtigen Dark Man Randall Flagg (Alexander Skarsgård) – hinaus. Das Ziel ist also vorherbestimmt, der Weg dorthin wird von Showrunner Josh Boone (The New Mutants) aber durchaus ambitioniert beschritten: Er setzt uns gleichsam mittendrin im postapokalyptischen Geschehen ab, um hernach erst die selbstverständlich oft traumatischen Backstorys der einzelnen Überlebenden auszurollen. Sind dann erst einmal alle Figuren auf ihren Umlaufbahnen entspinnt die Miniserie genau jenen unwiderstehlichen, mit sachter humanistischer Zuversicht gepaarten Sog des Schauderns, gepaart, der auch Kings beste Bücher seit jeher auszeichnet.

Ab 08.01. auf Starzplay

One Night in Miami…

Auf einem Theaterstück beruhend erzählt das Langfilm-Regiedebüt der Schauspielerin Regina King (Oscar-prämiert für If Beale Street Could Talk, zuletzt in Watchmen herausragend) von Geschehnissen, die sich in der titelgebenden Nacht des 25. Februar 1964 in Floridas heimlicher Hauptstadt so oder auch nur so ähnlich ereignet haben könnten. In einem Hotelzimmer trafen dereinst mit dem Box-Weltmeister Cassius Clay, dem Soul-Superstar Sam Cooke, der NFL-Größe Jim Brown sowie dem Bürgerrechtsaktivisten Malcolm X verbrieftermaßen vier der zu diesem Zeitpunkt bekanntesten Afroamerikaner aufeinander – ursprünglich, um den ganz frischen Titelgewinn Clays zu zelebrieren, zu späterer Stunde aber mutmaßlich auch, um streitlustig ihre unterschiedlichen Zugänge zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung darzulegen. Das naturgemäß bühnenhaft Steife des Stoffs umschifft King auch dank ihrer gut aufgelegten (leider nahezu nur) männlichen Darstellerriege mit gutsitzenden inszenatorischen Kniffen durchwegs kunstreich und kurzweilig – man wird sich diesen Streifen nicht allein wegen seiner thematischen Gegenwärtigkeit für die kommende Awards-Season merken müssen.

Ab 15.01. auf Amazon Prime Video


Streaming Tipps Dezember 2020

Mank (Film)

Mit dem Versprechen, ihre jeweiligen langegehegten Herzensangelegenheiten filmischer Natur ohne zu knappe Budgets oder schwerwiegende Interventionen umsetzen zu können, wurden schon zahlreiche Meisterregisseure von Netflix geködert. Siehe Martin Scorsese und The Irishman, siehe Alfonso Cuarón und Roma, siehe die Coens und The Ballad Of Buster Scruggs. Siehe nun auch David Fincher. Wobei es strenggenommen ja das lange unverfilmte Prestige-Projekt bzw. Script seines Vaters Jack Fincher ist, das sich der große Perfektionist des Gegenwartskinos da für seinen ersten Spielfilm seit Gone Girl vorgeknöpft hat. In stilisiertem Schwarz-Weiß gehalten und auch darüber hinaus die Ästhetik des klassischen 30er-Hollywood-Produktionen virtuos nachahmend erzählt Mank die stürmische Entstehungsgeschichte des Drehbuchs zu Citizen Kane, des in vielen Augen größten Filmes aller Zeiten, verpackt in die Lebensgeschichte von dessen Verfasser, dem trinkfreudigen, streitbaren, wortgewaltigen Bühnenautor Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman, grandios wie eh und je). Gefiltert durch den Blick dieses nie so wirklich im damaligen Studiosystem angekommenen Outsiders hat es hier einen mit allerlei fiesen Spitzen und (bisweilen auch nur Eingeweihten verständlichen) Anspielungen gespickten Liebesbrief an die ewige Traumfabrik, deren Illusionsmaschine eben schon immer gleich gut darin war, Menschen in Massen zu verzaubern wie zu verschleißen.

▶︎ Die besten Netflix Filme

Ab 04.12.2020 auf Netflix

Fargo (Staffel 4)

Es ist fast so, als ob ein Kicker von Liverpool zu Hoffenheim wechselt, von der Weltbühnen-Mannschaft zum ehrgeizigen, aber eben noch nicht zu Höherem berufenen Emporkömmlings-Ensemble: Nachdem die ersten drei Staffeln des Serien-Remixes der Coen-Kultkrimikomödie bei Netflix liefen, findet man die vierte nun im Angebot von Joyn. Huch. Ob dieser Move etwa am geminderten Leistungsvermögen lag? Nun, in der Tat ist dem Serienschöpfer Noah Hawley in der dreijährigen Pause etwas die Selbstverständlichkeit verlorengegangen, mit der er einen stets auf wendungsreiche Reisen in noch unbekannte Winkel des Fargo-Universums zu schicken verstand. Zumindest in der ersten Staffelhälfte geht’s in jenem Gang-Krieg, in den sich schwarze und italienische Clans im Kansas City 1950 hier verstrickt haben, daher noch allzu geschwätzig selbstreferenziell und schaumgebremst zu. In der zweiten bessert sich das Dargebotene dann dankenswerterweise. Durch strahlkräftigeres Schauspiel, speziell von Nebenrollenkapazundern wie Timothy Olyphant oder Jessie Buckley, sowie manchen gewitzten inszenatorischen und inhaltlichen Umstellungen wird schlussendlich beinahe wieder in altbewährter Form aufgegeigt.

► Die besten Netflix Serien

Ab 10.12.2020 auf Joyn Plus

Sound of Metal (Film)

We need to talk about sound design. So wichtig, so selten angemessen honoriert. Im Spielfilm-Regiedebüt von Darius Marder (Koautor des unterschätzten The Place Beyond The Pines) ist die Frage, wie und wann man was hört und was nicht, von elementarer Bedeutung. Sound of Metal beantwortet diese Frage gleichwohl mit bestechender Brillanz – anders wäre dieses Vorhaben allerdings auch gar nicht vorstellbar gewesen. Schließlich haben wir es hier mit der Geschichte eines Metal-Drummers zu tun, der nach und nach sein Gehör verliert und damit auch alles, was ihm bis dato wichtig war im Leben – und schließlich sogar den Bezug zur Außenwelt. Womit wir auch schon beim zweiten Fixstern des Films wären: Hauptdarsteller Riz Ahmed (The Night Of), der hierfür nicht nur Schlagzeugspielen und Gebärdensprache gelernt hat, sondern seine Figur zwischen steigender Frustration und existenzieller Verlorenheit zu gleichen Teilen mit Nuance und Wucht anlegt. Ein Werk, das nachhallt.

Ab 04.12.2020 auf Amazon Prime Video

Soul (Film)

Noch nicht einmal bei Pixar hatte die Pandemie ein Nachsehen: Spielfilm 23 der Animations-Wunderwerk-Schmiede wird der erste sein, der nicht von der Leinwand leuchten darf. Was nicht nur wegen der auf kleineren Schirmen natürlich eingedampfteren Bilderpracht schade ist. Auch die Signalwirkung, den die erste Hausproduktion mit schwarzer Hauptfigur aussendet, wäre mit einem Kinostart gewiss eine mächtigere gewesen. Aber was soll’s, selbst der nun feiertägliche Couchpotatoe-Start auf Disney+ wird das Abenteuer eines Lehrers, der seinem Profi-Jazz-Musiker-Traum nach- und in ein Kanalloch reinläuft (was seine Seele auf eine Reise in eine Zwischenwelt schickt) zuvorderst und zugleich: Synapsen befeuern, Herzen wärmen und Augen zum Leuchten bringen. So wie es eben nur die besten Pixar-Animationen imstande sind – zu deren exklusivem Kreis sich Soul uneingeschränkt zählen darf.

Ab 25.12.2020 auf Disney+

Fosse/Verdon (Staffel 1)

Schauspielhochadel wie Sam Rockwell und Michelle Williams vor der Kamera, die Schöpfer der Spitzenspitzelserie The Americans bzw. des Broadway-Superhits Hamilton an den kreativen Schalthebeln, dazu ein Thema, das Film- wie Theater-Liebhaber gleichermaßen ansprechen dürfte und das in der Ära von #metoo obendrein noch mit genügend gegenwärtiger Brisanz aufgeladen ist: Den heftigen Preisregen bei Emmys und Globes kam für die hochglänzende Prestige-Miniserie des Senders FX nicht unbedingt überraschend.  In deren Fokus steht die jahrzehntelange (privat: schwierige, professionell: brillante) Partnerschaft der beiden Titelspender, des Regisseurs/Choreographen Bob Fosse (Cabaret) und der Supertänzerin Gwen Verdon – sowie darüber hinaus mal wieder die Frage, ob man Kunst auch dann gut finden darf, wenn man weiß, dass der Künstler ein ziemlicher Unsympath war.

Ab 24.12. auf Joyn Plus

MP3 Download: Tonspion präsentiert die besten Musik Downloads, die kostenlos und legal im Netz bereit gestellt werden. 

Empfohlene Themen