Mit ihrem feinen Gespür für Atmosphäre und einem selbstbewussten Stil zwischen Pop, R&B und zeitgenössischem Alternative-Sound gehört Lolo Zouaï längst zu den spannendsten Stimmen ihrer Generation. Die in Frankreich geborene und in den USA aufgewachsene Künstlerin verbindet mühelos kulturelle Einflüsse und persönliche Geschichten zu einem eigenständigen Klangbild, das gleichermaßen intim wie stilprägend wirkt.
Im Vorfeld ihres neuen Albums Reverie, das am 24.04.2026 erscheint, hat Zouaï mit ihrer aktuellen Single „Coquelicot“ bereits einen markanten Ausblick gegeben. Für den Track arbeitet sie mit dem französischen Superstar Disiz zusammen und verbindet darin zwei Sprachen ebenso selbstverständlich wie unterschiedliche klangliche Welten. Getragen von einer angespannten Drum-&-Bass-Struktur entfaltet sich ein Stück, das zwischen Nähe und Unruhe pendelt und bewusst eine dunklere, kontrollierte Atmosphäre sucht. Zouaï beschreibt die Zusammenarbeit als künstlerischen Austausch, bei dem beide ihre jeweiligen Soundwelten und sprachlichen Identitäten zusammengeführt haben. „Coquelicot“ fungiert damit als ein Schlüsselstück des Albums, das sich thematisch um Identität, Erinnerung und persönliche Umbrüche bewegt und stilistisch zwischen Alt-R&B, Pop und Hip-Hop verortet ist.
Wir haben Lolo Zouaï zum Interview getroffen.
01. Was ist der erste Song, an den du dich erinnerst? Was ist dir davon im Gedächtnis geblieben?
Möglicherweise „Oops!… I Did It Again“, weil ich den Song auf einem Hit Clips hatte. Das ist ein sehr typischer Y2K-Rückblick. Es wurden lediglich 30 Sekunden abgespielt, und ich habe diese Passage in Endlosschleife gehört.
02. Welches war das erste Album, das du dir selbst gekauft hast? Wie hast du diesen Moment erlebt?
Das Debütalbum von Beyoncé. Ich war völlig fasziniert davon, und sie sah auf dem Cover beeindruckend aus. In gewisser Weise hat sie mir das Singen nähergebracht.
03. Welches war dein erstes Konzert als Besucherin, und wie hast du es erlebt?
Entweder Too $hort oder Sky Ferreira, ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was zuerst war. Diese Bandbreite sagt jedoch viel über meinen Musikgeschmack aus. Ich war von beiden begeistert. Einige Jahre später stand ich in San Francisco auf derselben Bühne wie Sky Ferreira, was sich für mich wie ein geschlossener Kreis anfühlte.
04. Wie bist du zur Musik gekommen?
Singen hat mir schon immer große Freude bereitet, allerdings war ich sehr schüchtern. Mit 15 habe ich in San Francisco bei American Idol vorgesungen, war dabei jedoch extrem nervös. In der Highschool begann ich dann, eigene Songs auf der Gitarre zu schreiben. Anschließend habe ich mir selbst beigebracht, mit GarageBand und später mit Logic zu produzieren.
05. Warum machst du Musik?
Musik ist für mich eine Form des Ausdrucks und zugleich eine große Leidenschaft. Sie treibt mich an und gibt mir Selbstvertrauen. Ich kann mir kaum vorstellen, etwas anderes zu tun.
06. Wie entsteht deine Musik in der Regel?
Meist beginne ich mit Akkorden und einem einfachen Beat und improvisiere darauf verschiedene Melodien. Sobald sich etwas Stimmiges herauskristallisiert, entwickle ich einen Titel und ein Konzept und füge anschließend den Text entlang der Melodien zusammen.
07. Welche Künstlerinnen und Künstler haben dich besonders geprägt? Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Zu meinen prägenden Einflüssen zählen unter anderem Beyoncé, Rihanna, Britney Spears, Céline Dion, Brandy, The Weeknd, SZA und Françoise Hardy. Was mögliche Kooperationen betrifft, wäre eine Zusammenarbeit mit all diesen Künstlerinnen und Künstlern reizvoll.
08. Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Als ich 2017 begann, war es mein Ziel, nicht mehr in einem Restaurant arbeiten zu müssen und stattdessen von meiner Musik leben zu können, sei es durch Songwriting oder eigene Veröffentlichungen. Dieses Ziel habe ich inzwischen erreicht, wofür ich sehr dankbar bin. Darüber hinaus ist es mir wichtig, Musik mit inhaltlicher Bedeutung zu schaffen, eine Verbindung zu meinem Publikum herzustellen und Menschen zu berühren. Musik hilft mir, mich auszudrücken und mich sowohl persönlich als auch künstlerisch weiterzuentwickeln.
09. Welcher ist bislang dein bester Song?
Das überlasse ich gern dem Urteil anderer. Ich selbst kann das nicht eindeutig beantworten.
10. Woran arbeitest du derzeit, und was steht als Nächstes an?
Aktuell arbeite ich an weiteren visuellen Konzepten zum Album, an Tourterminen sowie an Songs für andere Künstlerinnen und Künstler. Darüber hinaus entsteht kontinuierlich neue eigene Musik.