Zum Inhalt springen

Acht Jahre nach den Anschlägen auf das Pariser Bataclan

Am 13. November 2015 erschütterten eine Reihe dschihadistischer Terroranschläge die französische Hauptstadt Paris und den Club Bataclan. Die Ereignisse erinnern an die Angriffe der Hamas auf ein Festival in Israel.

Während des Konzerts der Eagles of Death Metal im Bataclan nahmen drei schwer bewaffnete Terroristen hunderte Konzertbesucher als Geiseln. Unter Verwendung von Kalaschnikow-Sturmgewehren und Handgranaten verübten die Angreifer ein blutiges Massaker im Publikum. Augenzeugen berichteten von Hinrichtungen, und einige Geiseln forderten die Polizei auf, das Theater zu stürmen. Der Terrorangriff führten zum Verlust von 89 Menschenleben im Bataclan-Theater. Weitere 39 Menschen verloren ihr Leben bei Angriffen auf Cafés und Restaurants in der Umgebung, während ein Mann am Stade de France getötet wurde, wo ein Fußball-Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand.

Trotz des schnellen Eingreifens zweier Polizisten, die einen der Angreifer erschossen, scheiterten Verhandlungsversuche. Die Polizei stürmte den Saal und befreiten hunderte Gäste, die sich im Club versteckt hatten, einige konnten aus Fenstern aus dem Gebäude entkommen. Die beiden verbleibenden Terroristen töteten sich durch das Auslösen ihrer Selbstmordwesten. Bei der Befreiungsaktion wurde ein Polizist verletzt.

Bataclan
Foto: Maya-Anaïs Yataghène – Creative Commons

Hintergrund

Die Dschihadistenorganisation „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich zu der koordinierten Anschlagserie in Paris. In einem Statement bezeichnete der IS Paris als „Hauptstadt der Prostitution und des Lasters“, und das Bataclan wurde aufgrund der Versammlung von „hunderten Götzendienern in einer perversen Feier“ als Ziel ausgewählt.

Bereits vor dem Anschlag wurde das Bataclan mehrfach von islamistischen Gruppen bedroht. In den Jahren 2007, 2008 und 2009 wurden wiederholt Drohungen ausgesprochen, und 2008 bedrohte eine Gruppe maskierter Demonstranten die Leitung der Konzerthalle aufgrund einer Gala für die israelische Grenzpolizei.

Der Terrorangriff zeigte nach den Angriffen vom 11.9.2001 in den USA bereits, dass der Hass der Islamisten sich nicht auf Israel begrenzt, sondern die westliche Lebensweise insgesamt auslöschen will. Wer heute die Hamas als Befreiungskämpfer feiert, macht sich auch mit den grausamen Taten des IS gemein. Wer heute lautstark für Palästina auf die Straße geht, muss sich auch klar gegen die Hamas und ihr Terrorregime in Gaza positionieren. Wer heute eine Auslöschung von Israel fordert, muss sich auch klar sein, dass danach kein Paradies entsteht für die Menschen in Palästina, sondern dass sie dann von Terroristen regiert und unterdrückt werden.

Nachwirkungen und Wiedereröffnung

Die Anschläge hinterließen tiefe Trauer und Schock in der Bevölkerung und in der weltweiten Musikszene. Am Tag danach versammelten sich Trauergäste vor dem Bataclan, und der Guardian bezeichnete den Club als einen Ort der Freude und ein bedeutendes Pariser Musikdenkmal. Für längere Zeit wurden Konzerte stark kontrolliert und man fühlte sich einfach nicht mehr so frei und sicher, wie vor diesem Angriff.

Im Jahr 2016 wurde das Bataclan mit einem Konzert von Sting wiedereröffnet, bei dem auch Angehörige der Opfer teilnahmen. Dies markierte einen symbolischen Schritt zur Heilung und Wiederherstellung der Normalität.

Wer sich an die Bilder der Ereignisse von 2015 erinnert, kann sich ungefähr vorstellen, wie sich die Menschen in Israel fühlen, wo am 7.10.2023 1500 Menschen durch die überraschenden Terroranschläge der Hamas getötet wurden. Die Gefahr durch islamistisches Gedankengut ist auch für unsere Gesellschaft latent. Die Angriffe auf das Bataclan zeigten, dass es auch uns jederzeit treffen kann. Die Politik ist gefordert zu verhindern, dass das jemals wieder passiert.

„Bei der notwendigen Abwägung zwischen der kollektiven Sicherheit und individueller Freiheit darf nicht vergessen werden, dass die Terroristen auch das unbedingte Bekenntnis zu den Menschen- und Bürgerrechten angreifen. Terroristen setzen in der Regel auf einen Überraschungseffekt, um den Schrecken und die Angst vor neuen Anschlägen zu steigern. So verunsichert nicht nur der Horror des Anschlags, sondern sein plötzlicher Einbruch in eine bis dahin weitgehend als sicher wahrgenommene Umwelt, die Unbestimmtheit und das Risiko weiterer Attacken. Einige Politiker sind versucht, Ängste aufzunehmen und auf politischen Aktionismus zu setzen. Dieser Ansatz lässt die Protagonisten als Macher und Anpacker erscheinen, die mehr Sicherheit erreichen. Indes: Auch ein Rechtsstaat, der seine Grundlagen aufgeben würde, könnte keine absolute Sicherheit gewähren. Das zeigt der Blick in autoritäre Staaten dieser Welt, allen voran in das heutige Russland.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger – ehemalige Bundesjustizministerin