Die zehn besten Songs von Talk Talk

1981 gegründet, war Talk Talk eine der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte: Der begnadete und geheimnisvolle Sänger Mark Hollis führte das Projekt vom Eighties-Synthpop hin zu experimentierfreudigem Art-Pop. Hier kommen die (subjektiv) zehn besten Songs von Talk Talk.

Talk Talk gehören zu den rätstelhaftesten Bands der 80er. Sie starteten ihre Karriere 1981 als Synthie-Pop Trio im Windschatten von Bands wie Duran Duran, doch entwickelten dann einen ganz eigenen Stil, der nicht mehr von Pop, sondern viel mehr von Minimal Music und Jazz inspiriert war. 1992 löste sich die Band wieder auf und hatte in nur 10 Jahren eine musikalische Entwicklung hingelegt, die bis heute als einzigartig gilt. Diese zehn Songs stehen stellvertretend dafür.


10. Talk Talk

Der Opener des Debüt-Albums ist selbstbetitelt und kulminiert in der Wiederholung beim Chorus „Talk Talk Talk Talk“: Hier hört man auch heraus, warum die Band am Anfang mit Duran Duran (auch eine hübsche Wiederholung) verglichen wurden. Electro-Drama-Pop!

9. New Grass

Das spirituelle Herzstück des 1991 erschienenen letzten Albums „Laughing Stock“: Ein an die zehn Minuten zitterndes episches Werk zwischen Jazz, Artpop und Postrock.

Talk Talk - NEW GRASS - 1991

8. It’s My Life 

Aus dem 1984er Album „The Colour Of Spring“ stammt dieser perfekte Moment Eighties-Pop. Hier in einer LIve-Version vom Montreux Festival 1986,

Talk Talk - It's My Life (Live at Montreux 1986)

7. Renée

Ebenfalls aus „It’s My Life“ stammt dieser Song, der ein wenig an Roxy Music, Kate Bush sowie Simple Minds erinnert.

Talk Talk - RENEE - 1984

6. Rainbow

Der ätherische Opener des legendären Albums „Spirit Of Eden“ stellte Fans zunächst vor eine große Herausforderung: die Band hatte sich endgültig vom radiokompatiblen Pop-Format verabschiedet und sich klassischer Musik und Jazz zugewandt. Das Album steht symbolisch für das Ende der quietschbunten 80er-Jahre-Ästhetik. Die Band verabschiedete sich komplett vom elektronischen Instrumentarium und schuf dadurch ein zeitloses Klangbild. 

Talk Talk - THE RAINBOW - 1988

5. Dum Dum Girl

Aus der New-Wave-Phase der Band stammt dieses strahlende Stück Eighties-Pop, das zwischen Melancholie und Bombast förmlich zu bersten scheint.

Talk Talk Dum Dum Girl

4. Life’s What You Make It

Stoischer Beat und klagender Gesang: Dieser leidenschaftliche Appell, das Leben im Hier und Jetzt zu genießen und die Vergangenheit ruhen zu lassen frisst sich gehörig ins Ohr. 

Talk Talk - Life's What You Make It (official video with lyrics)

3. Such A Shame

Der kryptische Text ist inspiriert von dem Roman „The Dice Man“ von Luke Rhinehart, einem Lieblingsbuch von Mark Hollis: Darin geht es um einen Psychiater, der damit beginnt wichtige Entscheidungen durch Würfeln zu treffen. Der Song mit einem exzentrisch agierenden Hollis im Clip wurde ein Welthit, der Talk Talk absolute künstlerische Freiheit bescherte, die sie sich dann auch konsequent herausnahmen.

Talk Talk - Such A Shame (official video with lyrics)

2. Living In Another World

Die Dramaturgie dieses energiegeladenen Songs aus dem „Colour Of Spring“-Album mit seinen fortlaufenden Modulationen ist schlichtweg genial. Einer der perfektesten Pop-Songs, die Talk Talk in ihrer Karriere geschrieben haben. Gänsehaut nonstop! 

Talk Talk - Living in another world (1986)

1. I Believe In You

Der vielleicht emotionalste Song von „Spirit Of Eden“ handelt von der Heroinsucht seines großen Bruders Ed, der Mark Hollis mit seiner riesigen Plattensammlung in die fantastische Welt der Musik eingeführt hatte und der noch vor Veröffentlichung des Albums starb. Der Song vereint alles, was die späten Talk Talk so herausragend machten: abstrakt-poetische Texte, eine überbordende Musikalität und emotionale Tiefe. Zweifellos der kreative Höhepunkt der Band.

Talk Talk - I believe in you

„I find the whole story of one man against the system in a bid to maintain creative control incredibly heartening (…) With a legacy that includes „Spirit of Eden“ perhaps there was nothing left he had to prove.“ (Oasis-Manager Alan McGee im Guardian)

Im Jahr 1992 zog sich Mark Hollis aus dem Musikbusiness zurück, da er sich auf seine Familie fokussieren wollte. Er veröffentlichte noch ein sehr gutes leises Soloalbum, blieb der Öffentlichkeit ansonsten aber seitdem konsequent fern. Und am 25.02.2019 verschwand er absolut und die Musikwelt trauert um einen genialen Songschreiber, der erreicht hat, was er einst sagte: „Das Größte, was Musik erreichen kann, ist eine Existenz außerhalb der Zeit, in der sie geschrieben wurde.“ 


Die wichtigsten News aus dem Tonspion jede Woche in deine Mailbox!

Hinweise zu der Protokollierung der Anmeldung, Deinen Widerrufsrechten, dem Einsatz des Versanddienstleisters und der Erfolgsmessung erhältst Du in unserer Datenschutzerklärung.


nv-author-image

Kerstin Kratochwill

Kerstin Kratochwill ist promovierte Germanistin, arbeitet als Lektorin sowie Texterin und schreibt für Tonspion über Musik, Filme und Serien.