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Hip-Hop-Pionier Afrika Bambaataa im Alter von 68 Jahren gestorben

Der Hip-Hop-Pionier und Electro-Wegbereiter Afrika Bambaataa ist tot. Wie die Hip Hop Alliance, eine gemeinnützige Organisation zur Unterstützung von Künstlern der Szene, über Instagram mitteilte, starb der Musiker im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Geboren wurde Afrika Bambaataa im April 1957 als Lance Taylor in der Bronx, New York. Er gilt als eine der zentralen Figuren der frühen Hip-Hop-Bewegung. Bereits Anfang der 1970er Jahre prägte er die kulturelle und musikalische Entwicklung eines Genres, das damals noch fest im New Yorker Stadtteilmilieu verwurzelt war.

1973 gründete er die Universal Zulu Nation, ein Kollektiv aus DJs, MCs, Graffiti-Künstlern und Breakdancern, das sich der Förderung von Frieden, Gemeinschaft und kreativer Selbstermächtigung verschrieben hatte. Die Initiative trug maßgeblich dazu bei, Hip-Hop über die Grenzen der Bronx hinaus bekannt zu machen und als eigenständige Kulturform zu etablieren.

In den 1980er Jahren weitete Bambaataa seinen musikalischen Horizont deutlich aus. Inspiriert von der elektronischen Musik aus Europa, insbesondere von Kraftwerk, verband er die rhythmische Direktheit des Hip-Hop mit synthetischen Klängen und maschinellen Beats.

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Eine Schlüsselrolle spielte dabei die Roland TR-808, deren charakteristischer Sound zu einem Markenzeichen der entstehenden Electro-Szene wurde. Mit dem 1982 veröffentlichten Stück „Planet Rock“ gelang ihm ein internationaler Erfolg, der bis heute als Meilenstein gilt. Der Track kombinierte Samples und Motive aus Kraftwerks „Trans-Europe Express“ mit Rap-Elementen und elektronischen Grooves. Das Ergebnis war ein neuartiger Hybrid, der sowohl in Clubs als auch im Radio funktionierte und die Tür für zahlreiche nachfolgende Produktionen öffnete.

Bambaataas Einfluss reichte weit über einzelne Hits hinaus. Er verstand Hip-Hop früh als globale Kultur und setzte sich für dessen internationale Vernetzung ein. Tourneen und Kollaborationen trugen dazu bei, dass sich die Szene in Europa und Asien rasch entwickelte. Künstler aus unterschiedlichen Genres beriefen sich später auf seine Pionierarbeit, von Electro- und Techno-Produzenten bis hin zu Rap-Acts der sogenannten Golden Era. Auch die Idee des DJs als kulturelle Leitfigur und Vermittler zwischen Stilen wurde durch ihn geprägt.

Bis in die 2000er Jahre hinein veröffentlichte er neue Tracks und trat weltweit auf Festivals und in Clubs auf.

Dieses Vermächtnis wurde jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend überschattet. Ab 2016 wurden mehrere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Lance Taylor öffentlich. Verschiedene Männer gaben an, in den 1980er Jahren als Minderjährige von ihm sexuell missbraucht worden zu sein. Das US-Magazin Rolling Stone berichtete, dass sich mindestens 13 Betroffene mit entsprechenden Anschuldigungen gemeldet hätten. Taylor wies die Vorwürfe zurück.

Im Jahr 2021 folgte eine weitere Klage wegen Kindesmissbrauchs und Menschenhandels. Taylor reagierte nicht auf die Vorladung und erschien nicht vor Gericht. In der Folge wurde gegen ihn entschieden. Die Vorwürfe und juristischen Auseinandersetzungen führten dazu, dass sein Ansehen in der Szene erheblich litt.

Institutionen und Weggefährten distanzierten sich, öffentliche Ehrungen wurden infrage gestellt oder rückgängig gemacht. Die Diskussion über den Umgang mit historischen Verdiensten und schweren persönlichen Verfehlungen begleitete seitdem jede Auseinandersetzung mit seiner Person.

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Afrika Bambaataas Tod markiert das Ende einer Figur, die die Frühphase des Hip-Hop entscheidend mitgeprägt hat. Seine musikalischen Impulse, insbesondere die Verbindung von Rap und elektronischer Musik, wirken bis heute nach. Zugleich bleibt sein Name untrennbar mit den schwerwiegenden Vorwürfen verbunden, die sein Lebenswerk in ein kritisches Licht rückten.

Foto: Mika-photography – CC BY-SA 3.0

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