Tipps vom Profi: Rap Vocals zu Hause aufnehmen

Das richtige Setup für Einsteiger

Wer heute eine Karriere als Rapper oder Sänger anstrebt, muss nicht lange warten, bis er in einem Studio aufnehmen kann. Auch zuhause kann man mit der heutigen Technik ein Nummer 1-Album aufnehmen. Toningenieur Lukas Marx vom G7 Studio in Berlin erklärt, worauf du dabei achten solltest.

DAS SETUP

Mikrofon

Einer der wichtigsten Faktoren für amtlich klingende Rap Vocals ist ein gutes Mikrofon, weshalb Du hier nicht sparen solltest. Da jede Stimme anders klingt, gibt es nicht das eine perfekte Mikrofon. In professionellen Tonstudios werden daher vor der Aufnahme oft mehrere Gesangsmikrofone zum Vergleich aufgebaut, um das passendste Exemplar für den jeweiligen Künstler zu finden.

Für Gesang und Rap kommen in der Regel Großmembran-Kondensatormikrofone mit Nierencharakteristik zum Einsatz, da diese die Stimme sehr detailliert und druckvoll abbilden können. Aufgrund der Empfindlichkeit dieses Mikrofontyps solltest Du eine Mikrofonspinne und ein Stativ verwenden, damit Trittgeräusche oder sonstigen Erschütterungen nicht mit aufgenommen werden.

Außerdem ist ein so genannter Popschutz vor dem Mikrofon nötig, um Explosivlaute abzufangen, welche sonst die Aufnahme schnell ruinieren. Im Einstiegssegment sind hier Mikrofon-Bundles zu empfehlen, die alle beschriebenen Komponenten bereits beinhalten. Z.B. das Audio-Technica AT2035 Bundle (209,00 €) oder das Rode NT1-A Komplettbundle (166,00 €).

Tipp: Wer sich das Equipment nicht auf einen Schlag leisten kann, der kann auch einen kleinen Kredit zur Verwirklichung des Traums vom Heimstudio aufnehmen. Zahlreiche Kreditvergleich-Portale bieten die Möglichkeit, die besten Konditionen für die eigenen Wünsche zu finden.

Wenn das Mikrofon fertig aufgebaut ist, wird es mit einem XLR Kabel an dem Audio-Interface angeschlossen.

Audio-Interface

Damit das Mikrofonsignal aufgenommen werden kann, benötigst Du ein Audio-Interface, welches das Mikrofonsignal zum einen durch den integrierten Preamp verstärkt und zum anderen in ein digitales Signal wandelt, damit es später am Computer weiter verarbeitet werden kann. Außerdem werden daran deine Kopfhörer angeschlossen, damit Du die Aufnahme auch entsprechend abhören kannst. Um Rap-Vocals aufzunehmen, reichen kleinere einkanalige Geräte aus wie z.B. das Focusrite Scarlett Solo (96,00 €) oder das Steinberg UR12 (93,00 €).

Nachdem Du die passenden Treiber für dass Audio-Interface installiert hast, wird das Gerät mit einem USB Kabel an deinen Computer angeschlossen.

Computer

In der Regel reicht die Leistung aktueller Laptops und Desktop Rechner für einfache Recording-Anwendungen aus. Möchtest Du aber längerfristig mit deinem Computer auch eigene Beats produzieren und deine Tracks abmischen und mastern, sollte das Gerät folgende Systemvoraussetzungen haben:

Prozessor: 64-Bit Intel oder AMD Multicore-Prozessor (Intel i5 oder schneller empfohlen)

Arbeitsspeicher: Mindesten 8GB RAM.

Fesplatte: Mindesten 7200 RPM oder besser eine SSD.

Während einer Aufnahme ist es Sinnvoll alle anderen Anwendungen und Programme zu schließen, damit die gesamte Rechenleistung deiner Audio-Software zur Verfügung steht.

Audio-Software

Damit du deine Raps am Computer aufnehmen kannst, brauchst Du eine DAW (Digital Audio Workstation). Neben der grafischen Darstellung deiner Aufnahme bieten dir solche Programme z.B. die Möglichkeit mehrere Spuren aufzunehmen, übereinander zu legen und mit Effekten zu bearbeiten.

Auch wenn es am Anfang noch ein Freebeat aus dem Internet tut, hast Du hier längerfristig die Möglichkeit auch selbst Beats zu produzieren. Wenn Du vorerst „nur“ auf ein fertiges Instrumental aufnehmen möchtest, empfehle ich dir die kostenlosen aber sehr abgespeckten Versionen von bekannten Programmen wie Avid Pro Tools, Steinberg Cubase oder Presonus Studio One. Die Vollversionen dieser Programme sind am Markt seit Jahren etabliert und es finden sich viele nützliche Tutorials im Internet. Nach den ersten Schritten mit der limitierten Version kannst Du dir dann später die Vollversion kaufen. Z.B.: Pro Tools First, Cubase LE, Studio One Prime.

Kopfhörer

Zu guter Letzt benötigst Du noch einen Kopfhörer um zum einen das Instrumental beim Einrappen zu hören und zum anderen das aufgenommene Ergebnis zu beurteilen. Ich empfehle zum Einstieg lieber in einen guten Kopfhörer zu investieren als in günstige Studio-Lautsprecher, da die Raumakustik sowie die Platzierung der Boxen einen enormen Einfluss auf den Klang der Boxen und damit der Beurteilung des Audiomaterials haben.

Das Arbeiten mit einem guten Kopfhörer umgeht dieses Problem und man kommt so oft schneller zu einem guten Ergebnis. Wichtig ist dabei, einen so genannten geschlossenen Kopfhörer zu verwenden, damit sich bei der Aufnahme das Instrumental nicht über die Kopfhörer auf das Mikrofon überträgt. Geeignete Modelle sind z.B.: Sony MDR-7506 oder Beyerdynamic DT-770 Pro 250 Ohm.

Checkliste Setup

 Mikrofon

 Spinne

 Mikrofonstativ

 Popschutz

 XLR Kabel

 Audio-Interface

 USB Kabel

 Computer

 Aufnahme Software (DAW)

 Kopfhörer

DIE AUFNAHME

Mikrofonaufbau

Nachdem alles richtig verkabelt ist, kann es mit der Aufnahme los gehen.

Positioniere das Mikrofon mit Hilfe des Stativs so, dass die Membran auf Mundhöhe ist. Befestige danach den Popschutz am Stativ, sodass der Abstand zwischen Mikrofonkorb und dem Schaumstoff des Popschutzes ca. eine geschlossene Handbreite beträgt.

 Der Mikrofonaufbau: Ein guter Richtwert für den Abstand ist jeweils eine geschlossene Handbreite zwischen Mikrofon, Popschutz und Mund.
 Der Mikrofonaufbau: Ein guter Richtwert für den Abstand ist jeweils eine geschlossene Handbreite zwischen Mikrofon, Popschutz und Mund.

Bei der Aufnahme sollte der Abstand zwischen dem Popschutz und deinem Mund ebenfalls eine geschlossene Handbreite nicht überschreiten. Da das angeschlossene Kondensatormikrofon Phantomspeisung benötigt, musst Du den 48V Button an deinem Audio-Interface aktivieren. Da dieser Vorgang zu einem lauten Knacksen am Audioausgang führen kann, solltest Du vorher den Lautstärkeregler für deine Kopfhörer unbedingt abdrehen.

Raumakustik

Ähnlich wie bei dem Klang der Studio-Lautsprechern hat die Raumakustik einen erheblichen Einfluss auf die Mikrofonaufnahme und ist dadurch oft die Achillesferse beim Homerecording. Klingt ein Raum sehr hallig oder reflektiv, wird dies auch auf der späteren Aufnahme zu hören und nur schwer wieder rauszufiltern sein.

Gerade für Rap-Vocals ist aber ein relativ trockenes und sauberes Signal wünschenswert, damit es später auch „in your face“-mäßig klingt. Mit ein paar Tricks gelingt das auch zu Hause: Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass unser Mikrofon auf Grund der Nierencharakteristik an seiner Rückseite den Schall relativ stark ausblendet und von vorne (Einsprechrichtung) sowie an den Seiten am empfindlichsten ist.

Das heißt, dass sich auch hier die Raumreflexionen am Stärksten auf das Mikrofon übertragen. Daraus ergibt sich, dass Du vor allem in dem Bereich hinter dir (dem Rapper) und seitlich des Mikrofons schallschluckendes (absorbierendes) Material anbringen solltest, um die Reflexionen dort zu minimieren.

Ein paar Matratzen oder aufgehängte Decken eignen sich hierzu hervorragend. Auch ein geöffneter und gut gefüllter Kleiderschrank hinter dem Rapper kann helfen. Von der oft empfohlenen Variante den Rapper inklusive Mikrofon direkt in den Kleiderschrank zu stellen, rate ich allerdings ab, da so überhaupt keine Reflexionen mehr auf der Aufnahme landen und das Signal schnell tot klingt.

Ebenfalls nicht zu empfehlen sind die weitverbreiteten Reflexionsfilter, welche genau dort angebracht werden, wo das Mikrofon sowie so schon am Unempfindlichsten ist und im schlimmsten Fall das Signal durch ungünstige Reflexionen sogar noch negativ verfärben.

Einstellungen

Wenn du die Raumakustik bestmöglich im Griff hast, kann es nun mit der Aufnahme los gehen.

Starte deine DAW mit einer Samplingrate von 44,1 kHz und einer Bitrate von 24 Bit. Wähle anschließend in den Audioeinstellungen das angeschlossene Audio-Interface aus und stelle die Buffer Size auf 128 Samples oder kleiner. Dies führt zwar zu einer höheren Beanspruchung der Rechenleistung, verhindert aber störende Latenzen bei der Aufnahme.

Nun importierst Du das Instrumental in deine DAW und erstellst eine weitere Spur für deine Rap-Vocals. Auf dieser Spur wählst Du den Mikrofoneingang deines Interfaces als Input aus und schaltest dann die Spur durch Klicken auf den roten Button scharf. Drehe jetzt langsam den Preamp an deinem Interface auf, bis die Pegelanzeige ausschlägt und Du dich selbst beim Sprechen in das Mikrofon hören kannst. Der Pegel sollte nicht zu laut (Clipping Gefahr) und nicht zu leise sein.

 Die passenden Einstellungen in der DAW.
 Die passenden Einstellungen in der DAW.

Stelle das Lautstärkeverhältnis so ein, dass Du sowohl deine Stimme als auch das Instrumental gut auf dem Kopfhörer hören kannst. Wenn alles passt, starte die Aufnahme und los geht’s!

Tipp: Nachdem der Maintake aufgenommen wurde, doppeln viele Rapper in den Strophen noch die  Satzendungen sowie den ganzen Refrain. Erstelle hierzu zwei weitere Spuren und wähle auch hier den passenden Audioeingang aus.

Dann doppelst Du zuerst auf der einen und danach auf der nächsten Spur die entsprechenden Stellen. Die beiden Dopplungsspuren kannst Du mit Hilfe des Faders etwas leiser als die Hauptstimme einstellen und mit dem Panorama-Regler (Pan) auf Links und Rechts legen. Dadurch wirken deine Rap Vocals noch fetter.

Checkliste Aufnahme:

 Mikrofon ist richtig positioniert

 Phantomspeisung (48V) am Audio-Interface ist aktiviert

 Raumakustik bestmöglich optimiert

 Dein Audio-Interface ist in der DAW ausgewählt

 Samplingrate: 44,1 kHz /Bitrate: 24 Bit

 Buffer Size in der DAW ist nicht höher als 128 Samples

 Mikrofon ist richtig eingepegelt

 Lautstärkeverhältnis auf dem Kopfhörer passt

Der Autor 

Lukas Marx ist Audio Engineer und Musikproduzent im G7 Studio und arbeitet seit über 10 Jahren mit Künstlern aus vielen verschiedenen Genres. Das G7 Studio befindet sich in entspannter Atmosphäre auf einem alten Gutshof am Stadtrand von Berlin. Auf über 150qm wurden dort optimale Voraussetzungen geschaffen, um die vielfältigsten Musikprojekte zu verwirklichen.

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Guy Sternberg betreibt seit über 15 Jahren ein professionelles Tonstudio in Berlin und hat schon viele Künstler bis hin zum großen Orchester aufgenommen. Bei Tonspion gibt er Tipps für bessere Aufnahmen - auch für kleine Budgets.