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Miserable Monday: Playlist von Lucy Kruger & The Lost Boys

  • Rubrik: News

Die Playlist zum Start in die neue Woche. Heute mit Musik von Nick Cave, Dolly Parton und Big Thief.

© Aline Marie Gärtig

“Mit Teen Tapes (for performing your own stunts)” haben Lucy Kruger & The Lost Boys am 08.04. den Nachfolger von “Transit Tapes (for women who move furniture around)” veröffentlicht. Gleichzeitig ist das Album auch der Abschluss der Tapes-Trilogie, die 2019 mit „Sleeping Tapes for Some Girls“ begann.

Lucy Kruger & The Lost Boys erzählen auf dem finalen Album der Serie zehn Liebesgeschichten – intim, poetisch und in manchen Momenten geradezu leidenschaftlich und emotional. Hierfür hat sich Lucy Kruger ein Plektrum und ein Fuzz-Pedal geschnappt und den Vorsatz gefasst, sich Zeit für Experimente zu nehmen. „Teen Tapes (for performing your own stunts)“ ist ein düsteres und hoffnungsvolles Album zugleich. Noise, gehauchte Vocals, tiefe Akkorde, hier und da etwas PJ Harvey oder Sonic Youth. What’s not to like?

Lucy Kruger & The Lost Boys live:

10.05.2022 – Salzburg – Rockhouse
12.05.2022 – Sion – Point 11
13.05.2022 – Le Chaux De Fond – Brasserie De La Meute
14.05.2022 – Lohr – South of Silence Festival
06.06.2022 – Leipzig – Wave Gotik Treffen

Lucy Kruger & The Lost Boys - Risk (Official Video)

DIE PLAYLIST

Lucy:

Es gibt nichts, was mich glücklicher macht als traurige Lieder. Nick Cave drückt es (offensichtlich) sehr gut aus, wenn er in seinem Vortrag über das Liebeslied sagt:

‘The Love Song is a sad song, it is the sound of sorrow itself. We all experience within us what the Portuguese call Saudade, which translates as an inexplicable sense of longing, an unnamed and enigmatic yearning of the soul. And it is this feeling that lives in the realms of imagination and inspiration and is the breeding ground for the sad song, for the Love Song is the light of God, deep down, blasting through our wounds.’

Diese Lieder stehen nicht in einer bestimmten Reihenfolge, aber sie bewegen mich alle zutiefst und machen mir Lust, besser zu sein und in großen Meeren zu schwimmen und sehr laut zu schreien und zu singen und zu sinken und zu singen.

Leonard Cohen – Famous Blue Raincoat

Als ich klein war, hörte meine Mutter immer Leonard Cohen. Ich konnte damals unmöglich alles verstehen, was er sagte, aber ich spürte etwas von dem Gewicht seiner Worte. Etwas Kühles, Dunkles und Tröstliches. Und jetzt denke ich an nächtliche Gespräche in schummrigen Ecken, wo Gefühle wie Glühwürmchen in der Brust sind, die man verzweifelt versucht, mit Zigaretten am Brennen zu halten.

Nick Cave & The Bad Seeds – Girl In Amber

Ich habe Skeleton Tree zum ersten Mal gehört, als André und ich auf unserer zweiten Europatournee mit Medicine Boy waren. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nur zu zweit in einem kleinen Auto unterwegs, und wir hörten leise zu, während wir durch Italien fuhren. Wir sprachen lange Zeit nicht miteinander, nachdem die Songs aufgehört hatten und ich war mir nicht sicher, ob ich das Album jemals wieder auflegen würde. Es ist so roh, dass es sich fast falsch anfühlte, es zu hören. Die Art und Weise, wie die Texte in die zarten Schleifen fallen oder gleiten. Entblößt. Ich habe es mir wieder angehört.

Gillian Welch – I Dream a Highway

Dieser Song besteht aus 14 Minuten _______ Space. Als ich aufwuchs, verbrachte unsere Familie die Dezemberferien im Ostkap, das zehn Autostunden von Johannesburg, der Stadt, in der wir lebten, entfernt ist. Ich habe diese Autofahrten geliebt. Jeder von uns konnte sich eine CD aussuchen, und die Lieder wurden durcheinander gewürfelt. Es gab zu viel Süßes und eine Menge albernes Verhalten, aber es gab auch lange Strecken der Stille. Anstarren. Ich liebe diese Abschnitte dazwischen. Wo es keine Möglichkeit zur Aktion gibt, aber so viel Bewegung. Dieses Lied bietet meinen Gedanken diese Bewegung, den Raum und die Sehnsucht. Ein kleiner Roadtrip in meinem Kopf.

Dolly Parton – Jolene

Dieses Lied ist so schön und traurig und mutig und brutal, und es ist ein Geschenk, so laut mitsingen zu können, wenn es so weh tut.

Dory Previn -- The Lady With The Braid

Ich liebe dieses Lied. Die Lässigkeit, die überhaupt nicht lässig ist. Der echte Schmerz im Alltäglichen, der so viel vom menschlichen Leben ausmacht. Ein Messer im Herzen, während man am Tee nippt.

Big Thief – Coma

Adrianne Lenker hat einen Kanal, der direkt in das Zentrum der Gefühle führt. Zum Dazwischen, von innen nach außen, auf den Kopf gestellt. Wunderschön, wunderschön, wunderschön quetschend. Ich kenne so viele, die Big Thief mehr lieben, als es irgendjemand sonst könnte, und das ist möglich, weil sie so großzügig ist, und es gehört ihnen, und es ist so groß, dass es genug Platz für alle gibt, und alle brauchen es, auch wenn sie es noch nicht wissen.

Angel Olsen -- Windows

Es gab ein Jahr, in dem das Einschlafen sehr schwierig war, und dies trieb oft durch die seltsame Luft um 3 Uhr morgens. Ein weinendes Lied. Ein Lied, in dem man weinen kann.

Nina Simone

Ich wollte ein Lied von Nina Simone auswählen, aber ich könnte sie fast alle hier haben.

Niemand hat mehr in einer Stimme als Nina Simone.

The Smiths -- There Is a Light That Never Goes Out

Dieser Song trifft so perfekt den Moment, der fast nie, wenn überhaupt, berührt werden kann. Es ist der Moment. Und man kann es sich immer und immer wieder anhören. Und ich tue es.

Joni Mitchell -- All I Want (nicht mehr aus Spotify)

Dieses Album begleitet mich schon so lange, und es verändert sich immer wieder. Schillernd. Ich kann nicht mehr genau sagen, aus welchem Teil von mir die Tränen kommen. Aber sie kommen, und dann fühle ich mich jung und alt und verstanden und frei und voll und voller Sehnsucht.

Martin Hommel

Martin ist 33, lebt in Leipzig und ist Radiomacher und Musikliebhaber. Für den Tonspion schreibt er die wöchentliche Kolumne "Miserable Monday".