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Ane Brun öffnet ihren skandinavischen Art-Pop für neue Klangwelten

Ane Brun, credit: Lamia Karic

Sechs Jahre nach ihrem letzten Album mit neu geschriebenem Material veröffentlicht Ane Brun mit „I Thought We Were The Same“ ein elektrisches und auch überwiegend elektronisches Album.

Musikalisch schlägt die schwedisch-norwegische Sängerin und Songwriterin eine neue Richtung ein: Elektronische Texturen, Pop-Arrangements und experimentelle Produktion treffen auf jene emotionale Tiefe, die ihre Musik seit mehr als zwanzig Jahren auszeichnet.

Elf Songs versammelt Ane Brun auf ihrem neuen Album, das am 6. November 2026 über BMG erscheint. Drei Jahre lang arbeitete sie an den Stücken, die aus einer Phase persönlicher Umbrüche hervorgegangen sind. Im Zentrum steht das fragile Gefüge menschlichen Vertrauens: Wie entsteht es, woran zerbricht es und warum suchen wir trotz Enttäuschungen immer wieder nach Verbindung? Der Albumtitel deutet eine gemeinsame Grundlage an, die sich im Rückblick als trügerisch erweisen kann. Doch Brun interessiert sich vor allem für das, was danach kommt.

„Die Produktion ist aus einer großen Spielfreude und Experimentierlust entstanden“, beschreibt sie den Entstehungsprozess. Gemeinsam mit ihren Co-Produzenten habe sie die Songs in neue Gewänder aus Pop und elektronischer Musik gekleidet, mit glänzenden Oberflächen, unterschiedlichen Texturen und neuen Farben. Diese klangliche Öffnung steht im bewussten Kontrast zu den sehr persönlichen Texten. Schon auf früheren Veröffentlichungen wie „After the Great Storm“ hatte Brun elektronische Elemente in ihren Folk-Sound integriert. Nun rückt sie diese noch stärker ins Zentrum und lotet aus, wie weit sie sich einer poppigeren Klangwelt nähern kann, ohne die emotionale Direktheit ihrer Songs zu verlieren.

credit: Lamia Karic

Auch inhaltlich geht es um eine neue Perspektive auf das eigene Leben. Brun beschäftigt sich mit Co-Abhängigkeit, enttäuschten Erwartungen und den Folgen von Vertrauensbrüchen. Dabei richtet sie den Blick ebenso nach innen: Was bedeutet es, sich selbst zu vertrauen, ehrlich mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen und die Entscheidungen zu treffen, die man eigentlich längst treffen möchte? „Ohne Vertrauen und Verbindung, worum geht es dann überhaupt im Leben?“, fragt sie in ihrem persönlichen Statement zum Album. Ständig auf die nächste Enttäuschung zu warten, könne jedenfalls kein glücklicher Zustand sein.

Als Sängerin, Songwriterin und Produzentin hat Ane Brun ihren eigenen musikalischen Weg über mehr als zwei Jahrzehnte konsequent verfolgt. Vom reduzierten Folk ihrer frühen Alben bis zu den elektronisch geprägten Produktionen der jüngeren Vergangenheit hat sie ihre Ausdrucksformen immer wieder erweitert. Zwei schwedische Grammis als „Komponistin des Jahres“ und „Beste Alternative Popkünstlerin“ gehören zu den Auszeichnungen ihrer Karriere.

Mit „I Thought We Were The Same“ legt Ane Brun ihr bislang erzählerischstes Album vor. Es handelt von Verletzungen, die nicht einfach verschwinden, und von der Möglichkeit, sich durch sie hindurch weiterzuentwickeln. Für die Künstlerin selbst überwiegt nach Jahren der Arbeit inzwischen die Vorfreude: Sie habe das Album lange wie ein Geschenk in den Händen gehalten und freue sich nun darauf, es endlich mit ihrem Publikum zu teilen.