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Gregor Schor: Am Grund. Ein Debüt zwischen Komposition und Improvisation

Gregor Schors Album „Am Grund“ erkundet die Tiefe des zeitgenössischen Jazz

Mit „Am Grund“ stellt der Saxophonist und Komponist Gregor Schor ein Debüt vor, das sich bewusst zwischen Struktur und Offenheit bewegt. Der 1993 in Leverkusen geborene Musiker fand über die Klarinette zur Improvisation und wechselte später zum Saxophon. Seine Ausbildung führte ihn von der Jazzhausschule Köln an die Hochschule für Musik Mainz, wo er Jazz und populäre Musik studierte.

Schor arbeitet wie jemand, der lieber skizziert als festschreibt. Seine Stücke wirken durchdacht, bleiben aber offen für Veränderungen. Linien sind gesetzt, ohne starr zu sein. Diese Haltung zieht sich durch seine kompositorische Praxis, die er im Masterstudium Bigband mit Schwerpunkt Schreiben an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt weiterentwickelte. Dort arbeitete er unter anderem mit Maria Schneider, Guillermo Klein und Darcy James Argue zusammen und sammelte Erfahrung in Studiosituationen mit der HR-Bigband.

Die Kompositionen auf „Am Grund“ sind präzise gebaut und zugleich durchlässig. Sie geben den Rahmen vor, ohne die individuelle Handschrift der Musiker einzuschränken. Schors eigene Tätigkeit als Saxophonist spiegelt dieses Spannungsfeld wider. Er ist in unterschiedlichen Formationen aktiv, von kleinen Ensembles bis hin zu größeren Besetzungen.

Auch die Band auf dem Album folgt keiner rein reproduzierenden Logik. Sie agiert flexibel, reagiert auf das Material und lotet die Möglichkeiten zwischen kontrollierter Präzision und roher Energie aus. Diese Arbeitsweise entspricht Schors generellem Ansatz, der sich nicht nur auf der Bühne zeigt. 2018 gründete er gemeinsam mit Vroni Frisch und Maximilian Shaikh-Yousef die Bigband Projekt Orion, die mit Gästen wie Will Vinson, Julian Argüelles und Frederik Köster arbeitete. Seit 2019 engagiert er sich zudem bei Tonkult e.V. in Mainz, einem Verein, der die freie Jazzszene mit Konzertreihen und Sessions unterstützt.

„Am Grund“ bleibt dabei konsequent in seiner Haltung. Das Album sucht die Tiefe, ohne sich in Düsternis zu verlieren. Es geht um das Verhältnis von Komposition und Improvisation, um das Zusammenspiel von Einzelnen und Kollektiv. Gleichzeitig entsteht ein Porträt eines Musikers, der nicht nur als Instrumentalist arbeitet, sondern auch als Komponist, Arrangeur und Organisator.

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