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Hanno Busch denkt Jazz als offenen Dialog

Das neue Album des Gitarristen Hanno Busch, Perspective, ist ein Album zwischen Offenheit, Improvisation und bewusster Wahrnehmung, zwischen Jazz, Gegenwart und klanglicher Bewegung.

Der Gitarrist und Komponist Hanno Busch hat mit Perspective ein Album vorgelegt, das sich weniger als abgeschlossenes Werk versteht, sondern als offener Denkraum. Gemeinsam mit Matthew Halpin, Jonas Burgwinkel und Claus Fischer entsteht Musik, die sich kontinuierlich zwischen Zuständen bewegt. Ruhe kippt in Unruhe, Verdichtung löst sich wieder auf, Linien bleiben selten eindeutig.

Nach Share This Room, das 2017 mit dem Echo Jazz ausgezeichnet wurde, knüpft Busch an seine Arbeitsweise als Klangforscher an. Die neuen Stücke reagieren auf eine Gegenwart, die von Beschleunigung geprägt ist. Kommunikation findet ständig statt, echtes Zuhören dagegen seltener. Perspective setzt genau hier an. Die Musik stellt keine Antworten bereit, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf das Hören selbst.

Das Quartett agiert dabei ohne hierarchische Strukturen. Improvisation ist nicht nur Mittel, sondern Grundhaltung. Jeder Impuls wird aufgenommen, weitergeführt oder bewusst stehen gelassen. Es entsteht ein Dialog, der von Offenheit lebt und gleichzeitig eine klare Form behält. Die Stücke bewegen sich zwischen Jazz und zeitgenössischen Popstrukturen, ohne sich eindeutig zuzuordnen. Neben dichten Passagen gibt es Momente, in denen Stille fast gleichwertig neben dem Gespielten steht.

Parallel zur Veröffentlichung von Perspective wurde Hanno Busch mit dem WDR Jazzpreis ausgezeichnet. Die Jury hebt seine Spielweise hervor, die sich durch Sensibilität und stilistische Beweglichkeit auszeichnet. Busch arbeitet in eigenen Projekten, stand aber auch mit Musikern wie Peter Herbolzheimer auf der Bühne und ist Teil der Heavytones. Seit 2021 spielt er zudem Gitarre bei Jan Delay.

Neben seiner Arbeit als Musiker ist Busch auch als Dozent tätig. An der Hochschule für Musik und Tanz Köln unterrichtet er Gitarre und Ensemble im Bereich Jazz und Pop. Diese Verbindung von Praxis und Lehre spiegelt sich auch in seiner Musik wider, die gleichermaßen reflektiert und unmittelbar wirkt.

Auch visuell folgt Perspective einem klaren Konzept. Das Artwork von Daniel F. Hirth knüpft an frühere Veröffentlichungen an und greift die Idee des Perspektivwechsels auf. Die LP erscheint als physisches Objekt, das den inhaltlichen Ansatz fortführt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Perspective ist ein Album, das sich Zeit nimmt und diese auch einfordert. Es fordert Aufmerksamkeit, ohne sich aufzudrängen, und bleibt gerade dadurch im Gedächtnis.

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