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Breaking Badly: Die wahre Geschichte hinter dem Meme der Olympiade

Die neueste Folge von Netflix’ „Untold“-Sportdokumentationen erzählt die Geschichte der australischen Breakdancerin Rachael Gunn alias Raygun, die bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris viral ging.

Es war das erste Mal, dass Breakdance in den Rang einer Olympia-Disziplin erhoben wurde, und nicht wenige Sportfans verliehen im Vorfeld ihrer Skepsis Ausdruck (um es vorsichtig zu formulieren). Die auserwählten B-Girls und B-Boys, wie sie in der Szene heißen, überschlugen sich an ihrem großen Tag also wortwörtlich, um so athletisch wie nur irgend möglich rüberzukommen.

Wie sich die Weltbesten in einem Power Move nach dem anderen über die Plattform katapultierten, war mehr Hochleistungsgymnastik als Tanz. Mit Ausnahme von Rayguns Null-Punkte-Performance, für die die Beschreibung „Gefundenes Internet-Fressen“ unglücklicherweise eine haarsträubende Untertreibung wäre.

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Von wegen „dance like no one is watching”. Es ist 2024. Millionen schauen zu, Millionen filmen, Millionen beurteilen.

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Instagram, X und Co. explodierten und hörten monatelang gar nicht mehr auf. Die Memes über Rayguns Känguru-Pose waren überall. Adele erklärte während eines Konzerts, ihr Auftritt sei das Großartigste, was irgendein Olympionike in Paris zustande gebracht hätte. Jimmy Fallon fühlte sich berufen, sich in der „Tonight Show“ mit einem fiesen Sketch über ihre unkonventionellen Moves lustig zu machen.

Rachael Gunn wurde für mehr oder weniger die ganze Welt nichts als ein Witz.

Aber wer auch nur die flüchtigste Vertrautheit mit der heutigen Soziale-Medien-Landschaft besitzt, kann kaum überrascht sein, dass es sehr schnell noch sehr viel schlimmer wurde. Der anfänglich spöttische Tonfall kippte in eine manische Boshaftigkeit. Eine Lawine von aggressiven Unwahrheiten und haltlosen Anschuldigungen stürzte Gunn in eine Depression.

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Die Frau, die wir jetzt in der Doku erleben, scheint sich zum Glück recht gut erholt zu haben. Gunn ist charismatisch, ansteckend fröhlich und erzählt einnehmend davon, was Breakdance bedeuten kann und wie sie und ihr Känguru-Move überhaupt auf der Weltbühne landeten. Gleich zu Beginn bringt sie den Zweck des Films auf den Punkt: „Ich kann nicht nur ein Meme sein!“

Sie ist, wie „Breaking Badly“ unterhaltsam nachzeichnet, vielmehr eine Akademikerin, die ihr liebstes Hobby in einer Doktorarbeit über Breakdance und Gender erforscht hat und eigentlich nie profisportliche Ambitionen hegte.

Copyright Netflix © 2026

Es traf sich einfach, dass sie bei den nicht übermäßig harten Auswahlwettkämpfen in ihrer Heimat am besten abschnitt und die Olympia-Flamme zu verheißungsvoll leuchtete, als dass man bei aller Bescheidenheit einen Platz im australischen Kader hätte ablehnen wollen.

Rayguns „Verbrechen“ bestand darin, zu spät gemerkt zu haben, dass der spaßige expressive Tanzstil, den sie über Jahre hinweg mit ihrer Community und ihrem Trainer/Ehemann Sam entwickelt hatte, bei den olympischen Spielen plötzlich von rund 5 Milliarden Menschen aus aller Welt kritisch begutachtet wurde.

Trotz eines nervenzerreißenden Anfalls von Hochstaplersyndrom beschloss sie, das Projekt durchzuziehen und sich in diesem Spannungsfeld zwischen Kunst und Sport, Kreativität und Leistungsdruck irgendwie einen bescheidenen Platz zu suchen.

Auf die Pariser Plattform kletterte sie ohne Medaillen-Illusionen, nur mit dem Gedanken, dem weltweiten Publikum ein paar originelle und typisch australische Moves zu zeigen, um anschließend nach Hause zu fliegen und in Frieden weiterzuleben wie bisher. Doch daraus wurde nichts.

Beispiellos ist die Sache nicht: Sportlerinnen und Sportler, die zwar im eigenen Land an der Spitze stehen, in einem globalen Wettkampf aber nicht mal in Sichtweite des Siegertreppchens kommen, sind längst Teil der olympischen Tradition. Man kennt die klassische Underdog-Story etwa aus Feelgood-Spielfilmen wie „Cool Runnings – Dabei sein ist alles“ (1993) über das erste jamaikanische Bobschlitten-Team.

Copyright Netflix © 2026

Dagegen schreibt „Breaking Badly“ mit seiner Darstellung der Verschränkungen zweier moderner Industrien – Celebrity und Profisport – mit dem Internet am aktuellsten Kapitel dieser Tradition mehr in jenem immer präsenter werdenden Narrativ, das man „Opfer eines Shitstorms muss sich Kontrolle über eigene Geschichte und Identität zurückerkämpfen“ nennen könnte.

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Gunn bei diesem Kampf zuzusehen ist inmitten all des Online-Gifts letztendlich eine Freude. Ein kraftvolles Korrektiv und ein fesselndes Porträt.