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Offener Brief gegen KI-Deals: Kreative fordern Mitspracherecht

Nick Cave (Presspic 2024, Foto: Ian Allen)

Eine internationale Allianz aus Künstlerverbänden, Songwriter-Organisationen und Musikmanager:innen fordert mehr Kontrolle über den Einsatz von Musik für Künstliche Intelligenz. In einem offenen Brief warnen 31 Organisationen aus Europa, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland davor, dass Labels und Musikverlage zunehmend KI-Lizenzvereinbarungen abschließen, ohne die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Kreativen einzuholen.

Koordiniert wurde der Brief von der European Music Managers Alliance (EMMA). Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die European Composer and Songwriter Alliance (ECSA), die US-amerikanische Music Artists Coalition, die Songwriters of North America (SONA), die Featured Artists Coalition aus Großbritannien sowie zahlreiche weitere Verbände.

Auslöser sind mehrere weitreichende Lizenzabkommen zwischen großen Musikunternehmen und KI-Firmen. Warner Music schloss zuletzt eine Vereinbarung mit dem KI-Unternehmen Suno, Universal Music lizenzierte Musik an Udio. Solche Deals sollen den KI-Anbietern einen legalen Zugang zu Musikkatalogen ermöglichen, nachdem sie zuvor wegen der Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke ohne Erlaubnis massiv in der Kritik standen.

Die Unterzeichner des Briefs kritisieren, dass viele Musiker:innen und Songwriter:innen erst nachträglich erfahren hätten, dass ihre Werke für KI-Anwendungen freigegeben werden sollen. Neue Verträge enthielten inzwischen häufig KI-Klauseln, die insbesondere Nachwuchskünstler kaum ablehnen könnten.

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EMMA-Geschäftsführerin Jess Partridge erklärt, große Musikunternehmen würden weltweit KI-Lizenzvereinbarungen abschließen, ohne mit den kreativen Urhebern darüber zu verhandeln. Das gefährde einen Musiksektor, der sich an den Interessen der Künstler orientiere. Gefordert werden deshalb drei Grundprinzipien: eine ausdrückliche und informierte Zustimmung, eine faire Beteiligung an den Erlösen sowie vollständige Transparenz über Umfang, Zweck und Laufzeit der Lizenzen.

Die IFPI, der Weltverband der Majorlabels, reagierte umgehend auf den Brief. Man verfolge das gemeinsame Ziel, unbefugte Nutzungen von Musik zu verhindern und Lizenzmodelle zu etablieren, die Künstler:innen und Songwriter:innen Einnahmen sichern sollen.

Doch genau an diesem Punkt wird der Konflikt grundsätzlicher. Die Forderung nach Zustimmung und Vergütung ist nachvollziehbar. Gleichzeitig ist jede neue KI-Lizenzvereinbarung ein Risiko. Denn je mehr Musikunternehmen ihre Kataloge legal für das Training generativer KI öffnen, desto größer werden die Datensätze, mit denen Systeme künftig Musik erzeugen können.

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Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage, ob KI Musik nutzen darf, hin zu der Frage, zu welchen Bedingungen. Für die großen Rechteverwerter ist diese neue Verwertungsform ein attraktives Geschäftsmodell. Sie verfügen über riesige Musikkataloge, deren Inhalte sich immer wieder lizenzieren lassen. Musik wird dabei zum Rohstoff, der unabhängig von den eigentlichen Urhebern weiterverkauft und immer wieder recycled werden kann.

Für viele Kreative löst dieses Modell jedoch das grundlegende Problem nicht. Selbst wenn einzelne Künstler an KI-Lizenzen beteiligt werden, tragen solche Vereinbarungen dazu bei, immer leistungsfähigere Musikmodelle zu trainieren, die künftig Songs, Stimmen und Produktionen in großer Zahl erzeugen können. Die wirtschaftliche Konkurrenz entsteht damit nicht nur durch illegales Scraping, sondern zunehmend durch legal lizenzierte Trainingsdaten.

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Während Verbände den Schutz kreativer Arbeit fordern, schaffen immer mehr große Musikunternehmen die rechtlichen Grundlagen dafür, dass KI-Systeme umfangreiches Musikmaterial legal nutzen dürfen.

Auch außerhalb Europas wächst der Widerstand. In Australien veröffentlichte eine breite Allianz von Musik- und Kreativverbänden in dieser Woche einen offenen Brief an die Regierung. Hintergrund war unter anderem ein Rechercheprojekt von The Atlantic, das vielen Künstler:innen erstmals zeigte, dass ihre Werke offenbar im großen Stil bereits zum Training von KI-Modellen verwendet wurden. Betroffen sind unter anderem Kylie Minogue, Nick Cave, Tame Impala, Midnight Oil und Cold Chisel.

Die australischen Verbände sprechen von einem historischen Eingriff in die Rechte von Urhebern. APRA-AMCOS-Chef Dan Ormston bezeichnete die Nutzung von Songs ohne Zustimmung als den größten Diebstahl geistigen Eigentums in der Geschichte der Musikindustrie und fordert stärkere gesetzliche Schutzmechanismen.

Der internationale Schulterschluss zeigt, dass der Widerstand gegen unkontrollierte KI-Nutzung wächst und sich die Musikbranche immer weiter aufteilt, in diejenigen, die vom neuen KI-Geschäft profitieren wollen (Rick Rubin, Diplo, Charlie Puth u.a.) und denjenigen, die das Training von KI auf Basis ihrer Musik konsequent und in jeder Form ablehnen.

Es zeichnet sich ab, dass die alten Majorplattenfirmen zukünftig immer stärker in Richtung KI-Musik abdriften werden, während sich echte Künstler zunehmend von diesen Firmen unabhängig machen. Zuletzt hat Ed Sheeran seinen langjährigen Vertrag mit Warner Music aufgelöst, während Taylor Swift sogar ihre alten Alben neu eingespielt hat, um die volle Kontrolle über ihre eigenen Aufnahmen zurück zu bekommen.

Gleichzeitig dürfte der Konflikt weiter an Schärfe gewinnen. Denn solange immer mehr Rechteinhaber ihre Kataloge an KI-Unternehmen lizenzieren, wird sich die technische Entwicklung kaum aufhalten lassen. Die Frage wird dann sein, welche Rolle menschliche Musiker und Songwriter in einem Markt spielen, in dem KI dank legal lizenzierter Musik zunehmend selbst zum Produzenten wird und jeden Hit der vergangenen Jahre in x-beliebigen Varianten neu aufkochen kann.

Und was können wir tun? Wir sollten KI-Musik überall verbannen und wieder mehr auf Live-Konzerte gehen, um echte Musiker, die viel Herzblut für ihre Musik gegeben haben, zu unterstützen. Und uns nicht mit billigem Abklatsch zufrieden geben.

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