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Mixtape Indie-Rock: Going Underground

Die besten Neuentdeckungen in einer Playlist auf Spotify und als Artikel: Die Bandbreite reicht von Indie über Alternative-Rock bis hin zu Post-Punk.

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Indie-Rock/Alternative: Jenseits des Mainstreams

Indie-Rock (von Independent) definiert sich primär durch seine Abgrenzung zum kommerziellen Mainstream und die künstlerische Freiheit der Musiker. Was in den 1980er Jahren als DIY-Bewegung auf Independent-Labels begann, hat sich zu einem der einflussreichsten Ökosysteme der modernen Musik entwickelt.

Als Genre zeichnete sich Alternative/Indie vor allem durch eine Gitarren-orientierte Instrumentierung aus, die oft experimentelle Strukturen gegenüber klassischen und eingängigen Pop-Schemata bevorzugt. Während der Begriff „Alternative“ oft den kommerziell erfolgreicheren Zweig (z. B. 90er-Jahre Grunge) beschreibt, steht „Indie“ heute für die stilistische Vielfalt kleinerer Szenen, unabhängig davon, wo die Musik veröffentlicht wird.

Mixtape: Alternative/Indie + Rock

Die Playlist wird täglich aktualisiert, folge uns auf Spotify und sende uns deine Musik über Submithub oder Groover.

Twig Hands – Happy (Indie Rock)

Ein Song, der instant glücklich macht – auch wenn er wie eine Mischung aus dem New Wave von The Cure und dem Indie Rock der The Strokes klingt, Melancholie verbunden mit Melodie: Das ist „Happy“ des Acts Twig Hands aus Finnland (bekannlich das glücklichste Land der Welt), Fuzz-Gitarren kombiniert mit schimmernden Synths.

Il peggio è passato – Viscerale (Indie Rock)

Cooler Track zwischen Indie Rock und New Wave aus Italien: Mit viel Verve und motorischem Beat geht „Viscerale“ des Acts Il peggio è passato ziemlich gut ins Ohr und überrascht mit einem friedlichen Break samt Möwenrufen. Ein Song, der wie eine gelungene Mischung aus Talk Talk und The Strokes klingt.

Lukka – TomboI (Indie Pop-Rock)

Geradezu schwebend lässiger Track aus den USA vom Act Lukka: Ihr Song „Tombol“ wird von wunderbarem Gesang getragen, überrascht mit flirrendem Synth und ist sowohl verträumt als auch rockig, eine schöne Mischung aus Beach House und Fleetwood Mac.

Boy Witch – Echolalia (Alternative)

Sehr unique Mischung aus Gothic Rock, Alternative und Synthpop: Der deutsche Act Boy Witch hat mit seinem dramatischen und druckvollen Track „Echolalia“ einen geheimnisvoll fließenden Teppich aus all diesen Genres gewebt, der Fans von The Cure, Queens Of The Stone Age oder Unknown Mortal Orchestra sehr gut gefallen dürfte.

Hubbell Benson – Born To Lose (Indie-Pop)

Hübscher Indie-Rock-Pop-Song mit einem Hauch nostalgischem 90ies Flair: Der US-Act Hubbell Benson hat mit seinem Song „Born To Lose” einen gewinnenden einschmeichelnden Ohrwurm geschrieben, der atmosphärisch zwischen The Shins, The Pains Of Being Pure At Heart oder Death Cab For Cutie wabert.

The Spoiled – Not My Cure (Dark Wave)

Treibender Dark Wave aus Italien: “Not My Cure” erinnert ein bisschen an The Cure, aber der energiegeladene Song von The Spoiled ist nicht nur Eighties-Nostalgie, sondern auch zeitgenössische Electronica und Post-Punk.

Kristoffer Grip – Keep It Foolish (Alternative)

Groovender grimmiger Track, der sich langsam aber sicher ins Ohr schraubt: „Keep It Foolish“ hat die Melancholie und den Funk von Nick Cave, die treibende Indie-Pop-Disco von Primal Scream und den dekadenten Flair von Roxy Music. Der Song stammt von dem schwedischen Künstlers Kristoffer Grip, der in seiner Heimat kein Unbekannter ist und in der Post-Punk-Szene auch hierzulande als Sänger von Agent Side Grinder auf vielen Bühnen stand.

Youth Valley – Cerberus (Shoegaze)

Mit viel Hall und Hymnenseligkeit braut sich dieser Track des griechischen Acts Youth Valley über unseren Köpfen zusammen: „Cerberus“ ist ein Biest aus Shoegaze, Noise-Pop und Indie-Rock mit emotionalem Anklang. Für Fans von DIIV, My Bloody Valentine oder Bdrmm.

Color Palette – Barcelona (Indiepop)

Strahlender Indie aus den USA, der das schöne Barcelona besingt: Color Palette packen in diesem Song die ganze Palette an farbenfrohem Jangle, schwelgerischen Dreampop und nostalgischen Indie-Pop heraus. Perfekter Frühlingssong!

Kids With Buns – Blind (Indie Pop)

Das queere Indie-Pop-Duo Kids With Buns aus Belgien hat mit „Blind“ eine charmant coole Single herausgebracht, die herzergreifend und hymnisch zwischen Boygenius, The Pains Of Being Pure At Heart oder Mitski schillert.

Deine Familie – Traust dich nie (Indie Rock)

Mit treibenden NDW-Vibes und punkigem Style rumpelt dieser coole Song des Wiener Acts Deine Familie catchy vor sich hin: Ihr Track „Traust dich nie“ hat die Lässigkeit von Falco, das Kaputte von Salò und das Augenzwinkernde von Hubert Kah.

American Football – Bad Moons (Indie)

Zarter, fast zärtlicher Song des US-Acts American Football, das nach langer Pause am 1. Mai mit einem neuen Album zurückkehrt: Der nachdenkliche wie emotional packende Track „Bad Moons“ ist ein Vorbote daraus, begleitet von einem atmosphärischen Schwarz-Weiß-Clip.


Apricity Braves – It’s Not Desire, Babe, I Yearn (Indie-Rock)

Intensive Indie-Rock-Hymne, die dem Schmachten und Sehnen gewidmet ist: Der UK-Act Apricity Braves veröffentlicht mit dem komplexen und coolen „It’s Not Desire, Babe, I Yearn” seinen ersten nicht DIY-Bedroom-Track und wandelt dabei auf den Spuren von Horsegirl, The Last Dinner Party oder Marika Hackman.

The Spoiled – When It Rains (Post-Punk)

Treibender Post-Punk aus Italien: Mit energetischem Beat sowie düsteren Vibes ist “When It Rains” tanzbar und melancholisch zugleich – „There was sunrise in you / There is sundown in me“. Für Fans von Motorama, Drab Majesty oder Twin Tribes.

You And Me And You – Dotted Lines (Indie)

Charmant cooler Indie-Rock-Track mit Americana- und Dreampop-Einschlag: “Dottet Lines” des US-Acts You And Me And You kommt mit klingenden Gitarren, bezauberndem Gesang und viel Harmonie daher – als ob die Bangles mit Big Thief und den Dum Dum Girls jammen.

Endearments – Marianne (Indie Rock)

Mit schön schimmernden Gitarren und hymnischem Chorus besingt der US-Act Endearments hier eine gewissen „Marianne“: Zwischen schwelgerischem Shoegaze und romantischem Dreampop erinnert der Song an The Pains Of Being Pure At Heart, M83 oder The Radio Dept.

A Place To Bury Strangers – Everyone’s The Same (Noise)

Es fiept und lärmt wieder gewaltig bei A Place To Bury Strangers: Mit „Everyone’s The Same” veröffentlichen die Brooklyner einen noisigen und experimentellen Track aus der neuen Compilation „Rare and Deadly“, auf der Fans Demos, B-Seiten und Raritäten aus einem Jahrzehnt Shoegaze-Krach (2015 – 2025) finden.

Jaguar Glass – Marionette (Indie Rock)

Zwischen perlendem Dreampop und waberndem Shoegaze flirrt dieser schöne Track des US-Acts Jaguar Glass dahin: „Marionette“ hängt an musikalischen Fäden von Radiohead, St. Vincent oder Slowdive und geht von Noise in ein geradezu orchestrales Feeling über.

Club 8 – Echoes of Our Time (Indie Pop)

Mit Echos von New Order und Saint Etienne schmeichelt sich dieser schöne Track des schwedischen Acts Club 8 in unser Ohr: “Echoes Of Our Time” ist feinster Indie-Pop und Bubblegum-Sound, der romantisch-melancholisch vor sich hin wabert.

Mortimer – Multiball (Synthrock)

Eigentlich bezeichnet das Trio seinen Sound als Audiodramapop, aber dieser flippernde Track ist ein Synthbanger, der über den Hörer hinwegrollt und zwischen Yacht- und Krautrock morpht: Ansteckender Fusionbass und treibende Drums machen “Multiball” zu einem multi-retrofuturistischen und ansteckend groovigen Sounderlebnis – einzigartig!

Die Evolution des Indie-Rock von den 70er Jahren bis heute

1970er: Die Grundsteinlegung und deutsche Vorreiter

Während im UK der Punk das “Do It Yourself”-Prinzip (DIY) zementierte, entstanden in Deutschland bereits Anfang der 1970er Jahre Strukturen, die den Geist des Indie vorwegnahmen. Die Berliner Band Ton Steine Scherben um Rio Reiser gelten hierbei als zentrale Pioniere. Mit der Gründung ihres eigenen Labels David Volksmund Produktion im Jahr 1971 schufen sie eine Blaupause für Unabhängigkeit. Ihre Verbindung aus politischem Aktivismus und rohem Rock beeinflusste später die Hamburger Schule maßgeblich.

1980er: Die Institutionalisierung des Unabhängigen

In Großbritannien etablierten Labels wie Rough Trade und 4AD den klassischen Indie-Sound. Bands wie The Smiths prägten einen melancholischen, jangle-lastigen Stil, während im US-Untergrund (College Rock) Formationen wie Sonic Youth mit Feedback und Dissonanzen experimentierten. In Deutschland entwickelte sich zeitgleich die Geniale Dilletanten-Szene (z. B. Einstürzende Neubauten), die die Grenzen zwischen Rock, Noise und Kunst sprengte. Die Indie-Szene brachte ihre ersten Stars zum Vorschein.

1990er: Kommerzialisierung und die Hamburger Schule

Die 90er Jahre markierten den “Mainstream-Einbruch”. Während der US-Grunge (Nirvana) und der britische Britpop (Oasis, Blur) mit Unterstützung von MTV plötzlich den Musikmarkt dominierten, bildete sich in Deutschland die Hamburger Schule (z. B. Blumfeld, Die Sterne, Tocotronic) heraus und feierte ebenfalls große Erfolge. Diese Bewegung zeichnete sich durch intellektuelle, deutschsprachige Texte und eine bewusste Distanz zum Schlager- oder Deutschrock-Mainstream aus, was den hiesigen Indie-Begriff bis heute prägt. Ohne die mediale Präsenz der Protagonisten über Musikvideos auf MTV und später VIVA wäre dieser Erfolg undenkbar gewesen. Parallel dazu feierten auch Techno, EDM und Rap den großen kommerziellen Durchbruch in den 90ern.

2000er: Das digitale Revival und Globalisierung

Das neue Jahrtausend brachte durch das Internet (MySpace) eine Demokratisierung des Musikmarktes. Das Post-Punk-Revival mit den Strokes (USA), den Libertines oder Arctic Monkeys (UK) dominierte die Musikpresse. In Deutschland festigte sich Indie-Rock als feste Instanz, wobei Bands wie The Notwist internationale Anerkennung für die Fusion von Indie und Elektronik erhielten. Nach der letzten großen Welle des Indie-Rock mit Bands wie Franz Ferdinand, Bloc Party, The Hives oder Tomte in Deutschland ebbte das Interesse wieder ab: zu viele zu ähnlich klingende Bands und der rapide Niedergang des Musikfernsehens machte aus Alternative/Indie wieder ein Nischen-Genre.

2010er bis heute: Genre-Fluidität

In der aktuellen Ära ist Indie-Rock weniger ein starrer Sound als eine Haltung. Die Grenzen zu Pop, R&B und Elektronik verschwimmen zunehmend. Moderne Vertreter wie Phoebe Bridgers (USA), Idles (UK) oder AnnenMayKantereit (Deutschland) zeigen die Bandbreite: Von intimen Singer-Songwriter-Elementen über aggressiven Post-Punk bis hin zu markanten, rauen Stimmen ist heute alles drin. Dass Künstler heute wirklich “independent” von den Strukturen der großen Musikfirmen sind kann man so heute nicht mehr sagen.

Fast alle sehr erfolgreichen Indie-Acts haben früher oder später bei einem Major gesignt, um auf deren Möglichkeiten der Vermarktung und des Vertriebs zugreifen zu können. Die vielleicht prototypische Indie-Band der Hamburger Schule, Blumfeld, hat kürzlich ihren gesamten Katalog an Sony Music verkauft, was in den 90er Jahren noch völlig ausgeschlossen schien.