U2 veröffentlichen mit „Easter Lily“ ihre zweite EP im Jahr 2026. Der sechsteilige Release folgt auf „Days of Ash“, das erst im Februar erschienen war und Ende des Jahres soll auch noch ein Album folgen.
Erneut beteiligt ist Brian Eno, der den Abschlusstrack „COEXIST (I Will Bless The Lord At All Times?)“ produziert hat. Eno war auch an den mit großem Abstand besten Alben von U2 – “The Unforgettable Fire” und “The Joshua Tree” – beteiligt und prägte ihren typischen sphärischen Sound maßgeblich.
Während „Days of Ash“ vor allem politisch geprägt und verstorbenen Aktivisten gewidmet war, rückt „Easter Lily“ persönliche Themen in den Vordergrund. Gleich der Opener „Song for Hal“ erinnert an den 2020 verstorbenen Produzenten Hal Willner. Der Titel der EP verweist auf Patti Smiths Album „Easter“ (1978) mit dem großen Hit “Because The Night”, das Bono nach eigenen Angaben früh geprägt hat.
Die neuen Songs kreisen nun um introspektive Fragen von Freundschaft, Brüchen und Glauben. Bono formuliert dies ungewöhnlich direkt und stellt religiöse und gesellschaftliche Gewissheiten zur Disposition, ohne eindeutige oder gar missionarische Antworten zu liefern.
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Nachdem er in früherer Zeit häufiger gerne mal in der Weltpolitik mitgemischt hat, scheint ihm nun klar zu sein, dass Musik nur wenig ausrichten kann, um die Welt zum Besseren zu verändern. Aber sie kann immerhin Hoffnung geben. Und das versucht die Band auf “Easter Lily”.
Am eingängisten ist der Song “Scars”, der eine neue Facette von U2 zeigt und live hervorragend funktionieren dürfte. „It’s your scars that give you beauty, don’t cover your scars“, singt Bono darin und fordert dazu auf, sich selbst zu akzeptieren mit allen Wunden, die das Leben hinterlässt.
Auf “COEXIST” klingen U2 so minimal und reduziert wie nie zuvor, es kommt sogar Autotune als Effekt zum Einsatz. Bon Iver lässt freundlich grüßen.
Die stilprägende Sturm-und-Drang-Phase der frühen U2 ist längst einer routinierten Professionalität gewichen, wie bei fast allen Bands, die über Jahrzehnte sehr erfolgreich waren und von denen Fans eigentlich sowieso immer nur die alten Klassiker hören wollen. U2 klingen heute wie eine Band, die U2 ziemlich gut nachahmt, ohne je die Qualität des Originals zu erreichen. Also eigentlich genau so wie Coldplay.
Trotzdem hört man beiden EPs an, dass sie Lust haben, neue Songs zu schreiben und auch ein paar neue Dinge auszuprobieren. Und deshalb bleibt es nicht bei den zwei EPs, die mit jeweils 6 Songs eigentlich auch ein Album hätten sein können: ein neues Studioalbum ist auch noch angekündigt für Ende des Jahres. Es wäre der erste Longplayer seit „Songs of Surrender“ aus dem Jahr 2023.
Bono deutete an, dass die Songs des Albums ganz bewusst auf die Live-Umsetzung angesetzt seien, was dafür spricht, dass 2027 auch eine Tour folgen wird.
