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Wer ist Banksy? Identität des Street Art Künstlers gelüftet

Banksy ist der wohl berühmteste anonyme Künstler der Gegenwart. Seine Graffiti tauchen über Nacht an Häuserwänden auf, kommentieren pointiert Politik und Gesellschaft und erzielen später auf Auktionen Millionenbeträge. Eine neue Recherche bringt nun erneut einen Namen ins Spiel.

Nach einer aktuellen Untersuchung der Nachrichtenagentur Reuters soll Banksy der Brite Robin Gunningham aus Bristol sein. Drei Journalisten verfolgten dafür über Monate verschiedene Spuren, werteten Dokumente aus und sprachen mit früheren Weggefährten.

Entscheidend soll ein bislang unveröffentlichtes Polizeidokument aus den USA sein. Darin geht es um eine Festnahme im Jahr 2000 in New York. Ein Graffiti-Künstler wurde dabei erwischt, wie er auf dem Dach eines Gebäudes eine Werbetafel des Designers Marc Jacobs übermalen wollte. In den Unterlagen findet sich ein handschriftliches Geständnis mit der Unterschrift Robin Gunningham.

Auch Banksys langjähriger Manager Steve Lazarides hatte bereits früher ein Foto dieser Aktion veröffentlicht. Über die Datierung des Bildes konnten die Journalisten die entsprechenden Polizeiakten aufspüren.

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Spur führt in die Ukraine

Ein weiterer Hinweis stammt aus dem Jahr 2022. Damals tauchten mehrere neue Banksy-Murals an zerstörten Gebäuden in der Ukraine auf. Kurz darauf bestätigte der Künstler auf Instagram selbst, dass die Werke von ihm stammen.

Laut Einreiseunterlagen soll zur gleichen Zeit ein Mann namens David Jones über die Grenze in die Ukraine eingereist sein. Der Name gehört zu den häufigsten in Großbritannien. Auffällig ist jedoch: Das Geburtsdatum dieses Reisenden stimmt mit dem von Robin Gunningham überein. Die Rechercheure vermuten deshalb, dass Banksy unter diesem Pseudonym reist, um seine Identität zu verschleiern.

Verdacht kursiert seit Jahren

Der Name Robin Gunningham wird schon länger mit Banksy in Verbindung gebracht. Bereits 2008 veröffentlichte die Zeitung Mail on Sunday eine Recherche, die den damaligen Graffiti-Künstler aus Bristol als mögliche Identität nannte.

Gunningham soll in der lokalen Street-Art-Szene der Stadt aktiv gewesen sein und schon früh Comics gezeichnet haben. Fotos aus den frühen 2000er Jahren zeigen einen Mann mit Spraydosen, der ihm zugeschrieben wird. Vermutlich hat auch Banksys Umfeld immer wieder Nebelkerzen geworfen, indem diverse Namen kursierten, so hielt sich über Jahre hartnäckig das Gerücht, dass Robert Del Naja von Massive Attack Banksy sei, der ebenfalls aus Bristol stammt. Der dürfte aber mit seiner Band voll ausgelastet sein.

Reuters kontaktierte den mutmaßlichen Künstler mit den neuen Erkenntnissen, erhielt aber keine Antwort. Auch Banksys Organisation Pest Control, die seine Werke offiziell authentifiziert, erklärte lediglich, der Künstler habe beschlossen, sich nicht zu äußern.

Sein Anwalt widersprach einzelnen Details der Recherche, bestritt die Identität aber nicht ausdrücklich. Gleichzeitig warnte er davor, Banksys Privatsphäre zu verletzen.

Ein Mythos der Kunstwelt

Unabhängig von seiner wahren Identität zählt Banksy zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Seine stencilartigen Graffiti verbinden Humor mit politischer Kritik und tauchen weltweit im öffentlichen Raum auf.

Zu seinen bekanntesten Motiven gehört das „Girl with Balloon“. 2018 sorgte eine gerahmte Version des Bildes bei einer Auktion in London für Schlagzeilen, als sich das Werk direkt nach dem Verkauf selbst teilweise schredderte.

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Ob Robin Gunningham tatsächlich der Mann hinter dem berühmten Pseudonym ist oder ob auch das nur ein Gerücht zur Verschleierung der wahren Identität des Künstlers ist, bleibt daher vorerst offen. Das Geheimnis gehört inzwischen selbst zum Mythos Banksy.

Was hat es mit den Banksy Ausstellungen auf sich?

Weltweit touren seit Jahren zahlreiche Banksy-Ausstellungen durch Museen, Eventhallen und ehemalige Industriegebäude. Viele davon tragen Titel wie „The Art of Banksy“ oder „House of Banksy“. Was viele Besucher nicht wissen: Die meisten dieser Shows sind nicht offiziell vom Künstler autorisiert und im Grunde nur eine Geldmaschine für Trittbrettfahrer.

Banksy selbst ist an diesen Projekten in der Regel nicht beteiligt. Organisiert werden sie von privaten Veranstaltern, die Werke aus Sammlungen zusammenstellen oder Reproduktionen seiner Motive zeigen. Teilweise werden auch großformatige Installationen gebaut, die bekannte Banksy-Arbeiten nachstellen.

Eine offizielle Instanz rund um Banksy existiert dennoch: Die Organisation Pest Control fungiert als einziges Büro, das seine Werke authentifiziert und Zertifikate ausstellt. Mit den meisten Wanderausstellungen hat diese Stelle jedoch nichts zu tun.

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Eigene Ausstellungen organisiert Banksy nur selten. Zu den wenigen bekannten Projekten gehören etwa die Ausstellung „Turf War“ in London (2003), die Schau „Barely Legal“ in Los Angeles (2006) sowie der temporäre Kunstpark Dismaland im Jahr 2015. Diese Aktionen entstanden direkt unter seiner Kontrolle und waren meist selbst Teil seiner künstlerischen Inszenierung.

Dass heute weltweit inoffizielle Banksy-Ausstellungen stattfinden, passt dennoch zu einem grundlegenden Widerspruch in seiner Karriere. Während seine Werke häufig als Kritik am kommerziellen Kunstmarkt verstanden werden, hat sich rund um seinen gehemnisvollen Namen längst ein globales Geschäft entwickelt. Dass der Künstler nicht selbst in Erscheinung tritt, hilft dabei, dieses Geheimnis zu vermarkten und davon zu profitieren.

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