Auf ihrem zweiten Album beschäftigt sich die Schweizer Indie-Folk-Pop-Musikerin mit Liebe, Verlust und der Bedeutung von Gemeinschaft. Acht persönliche Songs über familiäre Wurzeln, zwischenmenschliche Beziehungen und die Suche nach Beständigkeit.
Muss Liebe eigentlich immer wehtun? Mit dieser Frage beschäftigt sich Billie Bird auf ihrem neuen Album La lumière sans fin des étés. Die Schweizer Musikerin setzt sich mit romantischen Vorstellungen auseinander, in denen Schmerz und große Gefühle häufig untrennbar miteinander verbunden sind. Stattdessen interessiert sie sich für eine Form von Liebe, die auf Vertrauen, Sanftmut und Beständigkeit beruht.
Besonders deutlich wird dieser Gedanke in „L’amour ça fait mal“ (Liebe tut weh). Mit Humor und pointierten Alltagsbeobachtungen hinterfragt Billie Bird eines der bekanntesten Klischees der Popmusik. Der eingängige Refrain steht dabei im Kontrast zur ernsteren Frage, warum Liebe so häufig über ihre schmerzhaften Seiten definiert wird. Auch in „Soledad“ beschäftigt sie sich mit diesem Thema und beschreibt Liebe als einen Pakt der Gewaltlosigkeit, Sanftmut und Beständigkeit.
Dabei beschränkt sich Billie Bird nicht auf romantische Beziehungen. Freundschaften, Familie und selbst gewählte Gemeinschaften spielen auf dem Album eine ebenso wichtige Rolle. Ihre eigene Kindheit, die von Aufenthalten in Pflegefamilien geprägt war, und ihre familiäre Herkunft fließen in die acht Songs ein.
In „QQNEX“ richtet Billie Bird den Blick auf ihr persönliches Umfeld und die queere Community. Der Titel ist eine inklusive Abkürzung des französischen Wortes quelqu’un.e für „jemand“. Der Song greift dabei auch Parolen auf, die bei Pride-Demonstrationen zu hören sind.
Mit „je me recall de tout“ beschäftigt sich die Musikerin dagegen mit ihren spanischen Wurzeln und der Geschichte ihrer Familie, die während der Franco-Diktatur von Verfolgung und Exil geprägt wurde. Ihr Großvater war damals in einem Gefängnis des Franco-Regimes inhaftiert.
Musikalisch bewegt sich La lumière sans fin des étés zwischen Indie-Folk und Pop. Billie Bird schrieb und komponierte die Stücke analog in ihrem Studio in Lausanne und produzierte das Album anschließend gemeinsam mit dem Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Domi Chansorn in Zürich. Chansorn arbeitete zuvor unter anderem mit Sophie Hunger und Bonaparte zusammen.
Auch Daniela von Odd Beholder ist auf dem Album zu hören. Ursprünglich wollte die befreundete Musikerin lediglich Fotos von den Studioaufnahmen machen, beteiligte sich schließlich aber auch musikalisch. Auf „2361 Nuits“ übernimmt sie Gesangsparts, während sie auf „My arms hold you“ Gitarre spielt.
Die Arrangements lassen viel Raum für Billie Birds Stimme und Gitarrenspiel. Während sich die Texte häufig mit schmerzhaften Erinnerungen und Trennungen beschäftigen, setzt die Musik auf zurückhaltende, warme Klangfarben. In „Pas BCP mais TJS“, einer Hommage an Adrianne Lenkers „Not a Lot, Just Forever“, experimentiert Billie Bird zudem mit rhythmischen Strukturen.
Nach drei EPs und ihrem Debütalbum Incendies aus dem Jahr 2023 ist La lumière sans fin des étés ihre zweite LP. In den vergangenen Jahren spielte die Schweizer Musikerin mehrere hundert Konzerte in Europa und konnte sich auch in Deutschland ein Publikum aufbauen.
Auf ihrem neuen Album rückt Billie Bird nun die unterschiedlichen Formen menschlicher Verbundenheit in den Mittelpunkt. Dabei geht es nicht darum, schmerzhafte Erfahrungen auszublenden, sondern Liebe auch jenseits von Drama und emotionalen Extremen zu betrachten.
