Am 4. September meldet sich Mary And The Sharks nach ihrer letzten vorgänger-Single mit dem gleichnamigen Debütalbum „I Don’t Wanna Question How I Feel“ zurück. Dabei dringt sie noch tiefer in die dunkleren Ecken ihres Innenlebens ein und singt über Verlangen, Zweifel und die Suche nach einem Ort, an dem man nicht ständig gegen sich selbst ankämpfen muss.
Mit der Zeile „The grass is always greener on the other side“ eröffnet „Lost in Translation“ das Album und taucht direkt in das Gefühl ein, sich in den eigenen Gedanken und Emotionen zu verlieren. „I thought I would be wiser by now / I thought I would have figured it out“ singt Mary Jensen und beschreibt damit einen Zustand, den viele kennen dürften: die Erwartung, sich selbst irgendwann vollständig verstanden zu haben. Statt diese Unsicherheit aufzulösen, macht Mary And The Sharks sie zum Ausgangspunkt ihres Debüts.
Die acht Songs bewegen sich durch widersprüchliche Zustände: alte Muster, die langsam brüchig werden, den Wunsch nach Nähe und gleichzeitig die Angst davor, etwas Schönes wieder zu verlieren. Es geht um die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um uns zu schützen, und um Menschen, die plötzlich einen anderen Blick auf uns ermöglichen. Dabei interessiert sich Mary weniger für eindeutige Antworten als für die Momente dazwischen – wenn man noch nicht weiß, wohin etwas führt, aber trotzdem bereit ist, sich darauf einzulassen.
Musikalisch findet das Album dafür einen Sound zwischen Indie-Pop, Indie-Rock und Dream-Pop. Leicht verzerrte Gitarren, stimmungsvolle Synths und Marys gefühlvoller Gesang geben den Songs eine melancholische Basis, ohne sie in Schwere versinken zu lassen. Immer wieder sorgen eingängige Hooks für Bewegung. Die Musik darf dabei gleichzeitig rau und weich, genau wie die Gefühle, von denen sie erzählt.

Besonders deutlich wird diese Spannung im Titelsong „I Don’t Wanna Question How I Feel“. Der Song bildet das emotionale Zentrum des Albums und handelt von dem Moment, in dem der Wunsch nach Nähe stärker wird als die Angst vor den möglichen Konsequenzen. „Is it too soon / To know I won’t regret it?“ fragt Mary und lässt die Unsicherheit bewusst stehen. Es ist keine klassische Liebeserklärung, sondern eher die Entscheidung, dem eigenen Gefühl nicht sofort mit Argumenten entgegenzutreten. Was wäre, wenn man nicht jede Emotion erst überprüfen müsste, bevor man ihr vertraut?
Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Album. In „Right Kind Of Magic“ gerät ein über Jahre gefestigtes Bild von Beziehungen durch eine neue Begegnung ins Wanken. Plötzlich verhält sich jemand anders als erwartet – und damit verändert sich auch der Blick auf das eigene Ich. Es ist eine kleine Verschiebung, die große Folgen haben kann: Vielleicht sind manche Geschichten, die wir über uns erzählen, irgendwann einfach nicht mehr aktuell.
Hinter Mary And The Sharks steht Mary Jensen, gebürtige Hamburgerin und seit 2017 in Berlin. Aufgewachsen in einem stark kirchlich geprägten Umfeld, in dem sie sich fremd fühlte, wurde die Suche nach Selbstbestimmung früh zu einem wichtigen Teil ihrer Musik. Nach ihrem Songwriting-Studium an der Popakademie Mannheim zog sie nach Berlin und war zunächst als Feature-Stimme auf elektronischen Produktionen zu hören, unter anderem auf „Safe & Sound“ und „Let’s Call It Love“ mit LUNAX. Im Mai 2025 erschien mit „Prophecy“ ihre Debüt-EP als Mary And The Sharks.
„I Don’t Wanna Question How I Feel“ erzählt nun davon, was passiert, wenn man aufhört, ständig gegen die eigenen Gefühle zu argumentieren. Von der anfänglichen Orientierungslosigkeit bis zu dem Moment, in dem rückblickend plötzlich etwas Sinn ergibt, beschreibt das Album keinen geraden Weg. Eher eine Bewegung: weg von der Kontrolle und hin zu der Möglichkeit, nicht alles sofort verstehen zu müssen.
Aber nicht jedes Gefühl muss übersetzt, erklärt oder aufgelöst werden. Manchmal reicht es, es erst einmal da sein zu lassen.
