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10 Fragen an…Helena Delphi

Was passiert, wenn jemand, der jahrelang für andere erzählt hat, plötzlich selbst spricht? Helena Delphi gibt darauf mit ihrem Debütalbum „Wanderer“ eine leise und zugleich kraftvolle Antwort. Am 24.04.2026 erscheint die Platte, auf der sie erstmals unter ihrem eigenen Namen ihre Geschichte hörbar macht. Es ist ein intensives, sehr persönliches Album über Erfahrungen, die viele prägen und über die dennoch oft geschwiegen wird. Zwischen Verletzlichkeit und Stärke entsteht eine Musik, die nicht laut sein muss, um tief zu berühren. „Wanderer“ ist dabei nicht nur Rückblick, sondern auch Aufbruch, hin zu Selbstbestimmung, Hoffnung und innerer Freiheit.

Wir haben Helena zum Interview für unsere Rubrik „10 Fragen an…“ getroffen.

1. Was ist der erste Song, an den du dich erinnerst?
Ich war vielleicht so zwei oder drei Jahre alt, hatte die Walkman-Kopfhörer meines großen Bruders auf und hörte „Heal the World“ von Michael Jackson. Dieses Intro war, als würde die Sonne aufgehen. Ich habe natürlich kein Wort verstanden und trotzdem habe ich alles gecheckt. Auch wenn das komisch klingt, glaube ich, dass dieser Moment mein Leben geprägt hat.

2. Was war die erste Platte, die du dir selbst gekauft hast?
Ich glaube, das war irgendeine Bravo Hits in der Grundschule. Das Gefühl war unfassbar. Endlich stundenlang Lieblingssongs auf meinem Ghettoblaster im Kinderzimmer hören. Selbst entscheiden, Freiheit und Tiefe spüren und in eine Welt abtauchen, in der nichts anderes zählt.

3. Was war dein erstes Konzert als Besucher?
Das waren die Beatsteaks, als ich ein Teenie war. Die Energie hat mich umgehauen.

4. Wie bist du zur Musik gekommen (gab es einen besonderen Anlass, ein Erweckungserlebnis?)
Als ich vier Jahre alt war, habe ich einen Kinderchor auftreten sehen.
Ab diesem Moment wollte ich auf die Bühne. Ich habe so lange genervt, bis ich in diesem besagten Chor aufgenommen wurde. Eigentlich war er erst für Kinder ab sieben. Für mich haben sie eine Aufnahme gemacht, und da ich noch nicht lesen konnte, wurden mir alle Lieder auf Kassette aufgenommen, damit ich sie lernen konnte.

5. Wie machst du Musik?
Wenn ich spirituell wäre, würde ich sagen, ich channele meine Songs. Songwriting-Sessions sind nichts für mich. Ich habe es ein paar Mal versucht, aber ich verliere schnell die Verbindung zu mir selbst, wenn ich mit anderen Leuten im Raum bin. Deshalb brauche ich mein Schneckenhaus. Wenn ich zu 100 Prozent mit mir, meinen Emotionen und meinem Herzen verbunden bin, kann ich es einfach fließen lassen. Dann ist meistens einfach eine Melodie da. Und Akkorde. Und der Text gleich mit dazu. Klar arbeitet man an dieser Basis später gemeinsam weiter, wenn es an die Produktion geht, aber ich liebe es, wenn der ursprüngliche Funke weitestgehend erhalten bleibt. Auf meinem Album sind einige Songs, die genau so in einem Magic Moment entstanden sind.

6. Warum machst du Musik?
Weil das meine Sprache ist. Weil Musik eine Kraft hat, die über alles andere hinausgeht. Weil sie Gesellschaft prägt, Ungesagtes ausdrückt und uns auf der tiefsten Ebene berühren und bewegen kann.

7. Welche Künstler haben dich am meisten geprägt? Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?
Meine absolute Lieblingsband ist „Die höchste Eisenbahn“. Ich kenne niemanden, der so gute deutsche Texte schreibt, und es wäre mir eine Ehre, einmal mit ihnen zusammenzuarbeiten.

8. Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Ich würde mich freuen, wenn Menschen durch meine Musik Kraft schöpfen. Wenn sie sich durch meine Texte verstanden oder weniger allein fühlen. Wenn sie inspiriert werden, ihrem Herzen zu folgen und für die Liebe loszugehen.

9. Welches ist dein bester Song bisher?
Das kann ich nicht beantworten. Ich finde immer den Song am besten, den ich gerade neu geschrieben habe. Aber ich glaube, das ist so eine Musikerkrankheit. Man entwickelt sich so schnell weiter, und das schönste Gefühl ist, wenn der Song den aktuellen Entwicklungsstand widerspiegelt. Max Prosa hat mal sinngemäß so etwas gesagt wie: „Der Mensch, der meine Lieder geschrieben hat, den gibt es gar nicht mehr.“ Das fand ich irgendwie treffend. Heißt natürlich nicht, dass ich meine Songs nicht mehr feiere, aber für mich ist der Ausdruck im Jetzt immer das Tollste.

10. Woran arbeitest du gerade? Was kommt als Nächstes?
Ich arbeite gerade an neuen Songs. Vielleicht wird das ein zweites Album. Vielleicht veröffentliche ich sie aber auch einfach so, ohne sie in eine Form zu pressen. Mal schauen, wohin der Weg mich führt. Aber jetzt freue ich mich erst einmal, dass mein Debütalbum draußen ist. In „Wanderer“ steckt nämlich ganz viel Liebe.