MC Bandsalat: Warum Kassetten ein Comeback erleben

Dual-Decks und Tape Deck Emulationen auf dem Markt

Nach dem Vinyl-Hype feiert nun ein weiterer längst totgeglaubter Toträger sein Revival: Die gute alte Audiokassette. Die Verkäufe steigen und Bands entdecken das Medium als hippes Merchandising-Produkt.

Die Tatsache, dass Musik dank Streaming überall und jederzeit verfügbar ist, sorgt offenbar für Sehnsucht nach der (vermeintlich) guten alten analogen Zeit. Nachdem sich Musikfans nun seit geraumer Zeit wieder mit Schallplatten eindecken, entdecken sie mit der Kassette das nächste Retro-Medium.

In den USA stiegen die Kassetten-Verkäufe im Jahr 2018 um 23 Prozent auf mehr als 219.00 Stück an, so der Marktforscher Nielsen Media Research. Ein Grund für den Hype stellen Eighties-Nostalgie-Serien wie "Stranger Things" dar, dessen Soundtrack verkaufte sich beispielsweise zehntausendfach im passenden Retro-Gewand auf Kassette.

In Deutschland sorgen die so genannten Kassettenkinder dafür, dass die MC weiterhin erfolgreich bleibt und dominierender Marktführer bleiben "Die drei ???", denn jede neue Folge erscheint auch weiterhin auf Kassette. Aber auch andere Hörspiele wie "Benjamin Blümchen" oder "Bibi Blocksberg" sorgen für den Erfolg.

In den USA belegt seit dem vierten Jahr infolge ein Soundtrack zu "Guardians Of The Galaxy" den ersten Platz. Zu den anderen MC-Beststellern gehören aktuelle Alben von Twenty One Pilots, der Klassiker "Appetite For Destruction" von Guns N'Roses oder auch Britney Spears Debüt-Abum "... Baby One More Time".

Neue Alben auf Kassette zu finden ist auch gar nicht so leicht, obwohl Stars wie Jay-Z, The Jesus & Mary Chain, Sufjan Stevens, Justin Timberlake oder Lana Del Rey allesamt neue Werke auf MC veröffentlichten – natürlich spielt hier der Sammel-Charakter eine große Rolle und die Kassetten mit wenig Stückzahlen sind schnell ausverkauft.

Leerkassetten und Rekorder kann man jedoch inzwischen auch wieder bei großen Händlern wie Amazon kaufen, so dass dem Machen eines altmodischen Mixtapes eigentlich nichts mehr im Weg stünde: Denn es gibt auch wieder Dual-Kassettendecks wie den Tascam 202mkVII für 500 Dollar. Er verfügt über einen USB-Anschluss, um seine Aufnahmen zu archivieren:

Produktbild: Tascam

Es sei denn, man erinnert sich angesichts dieses Bildes doch wieder daran, wie zeitaufwändig das Erstellen war und wie ärgerlich, wenn es dann doch wieder zu einem Bandsalat kam. Für die Ewigkeit ist eine Kassette auch nicht gemacht, denn mit jedem Abspielen "stirbt" sie ein wenig und lässt an Qualität nach. Die Lebensdauer einer Kassette wird auf ca. 40 Jahre geschätzt, so dass mittlerweile der nächste Trend beginnt: Das Digitalisieren der alten Kassetten.

Labels bieten deshalb zum Verkauf der Kassetten sowieso einen Download-Code für die mp3-Dateien an, denn ehrlich gesagt, ist der Klang der Kassetten wohl eher der zweitrangige Kaufgrund. Wer das heimelige Rauschen von Kassetten dennoch vermissen sollte, kann sich die Tape Deck Emulation "DAW Cassette" besorgen: Mit dieser virtuellen Deck für Apple, PC und iOS ist es möglich, Effekte wie Verzerrung, Noise oder Sättigung hinzufügen. Um den Nerd-Faktor zu erhöhen, ist es sogar möglich, Metal-, Chrome- oder Normal-Material-Optionen der Kassette zu wählen. Der Kostenfaktor für den Spaß liegt bei 19,99 Dollar.

Warum also Kassetten trotz all dieser Nachteile gegenüber einer mp3? Der Grund liegt wohl paradoxerweise in der Beschränkung: Eine Kassette zwingt einen zum bewussten Hören, das Skippen ist zu kompliziert und man muss sich auf eine bewusst kompilierte Musik einlassen. Die kleine MC ist damit ein großer Rebell gegen seelenlose Algorithmen und die dumpfen Playlisten des Format-Radios.

Als Kult- und Sammlerobjekt ist es schließlich auch nicht vermeidbar, dass manche Preise für Kassetten in die Höhe schnellen. Die US-Seite Discogs hat im Februar 2021 eine Liste der teuersten MCs, die je dort verkauft wurden, veröffentlicht. The Artist (Formerly Known As Prince) ‎muss sich darin mit seiner MC "The Versace Experience – Prelude 2 Gold"  aus dem Jahr 1995 mit dem zweiten Rang und 4.117 Dollar begnügen. Auf Platz eins mit 4.500 Dollar landet Xero, eine Band, die später unter dem Namen Linkin Park berühmt werden sollte, mit ihrem selbstbenannten und selbstveröffentlichem Demo-Tape aus dem Jahr 1997.

Xero - Xero (MC Cover)

Xero - Xero (MC Cover)

Und hier die komplette Liste der am teuersten Kassetten:

1. Xero ‎– Xero (1997)

Sold: $4,500

2. The Artist (Formerly Known As Prince) ‎– The Versace Experience – Prelude 2 Gold (1995)

Sold: $4,117

3. Various ‎– Untieddiaries 1979-87 (1987)

Sold: $2,300

4. Various – Untieddiaries 1979-87 (1987)

$2,200.00

4. Throbbing Gristle – 24 Hours (1980)

$2,200.00

6. Various – Untieddiaries 1979-87 (1987)

$2,000.00

7. Various – De La Viande Pour Le Disco (1995)

$1,818.00

8. Buck 65 – Year Zero (1996)

$1,729.00

9. Depeche Mode – Dépèche Mode (1980)

$1,500.00

9. Sutcliffe Jügend – We Spit On Their Graves (1982)

$1,500.00

9. Madonna – The Madonna Collection (1987)

$1,500.00

12. Macintosh Plus – Floral Shoppe (2012)

$1,300.00

13. Phish – Phish (The White Tape) (1987)

$1,250.00

14. Salaried Man Club / Kiiro Radical / Den Sei Kwan / Invivo / Wireless Sight / Nishimura Alimoti – Limited Edition Vanity Records Box Set (1981)

$1,204.82

15. Ramleh – Awake! (1985)

$1,200.00

Video: Xero (Linkin Park) - Xero (Full Album)

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