Das Spiel ohne Antwort: The Stanley Parable (Videospiel)

Ein bekannter Trend von vielen Videospielen ist die Illusion der Wahl. Der Spieler bekommt eine scheinbare Entscheidungsmöglichkeit, nur um später herauszufinden das seine gewählte Antwort überhaupt keinen Unterschied im Spielverlauf macht. „The Stanley Parable“ ist kein solches Spiel.

Stanley, der Protagonist von „The Stanley Parable“ ist ein gewöhnlicher Büro-Arbeiter. Eigentlich sollte es ein ganz normaler Arbeitstag für Stanley sein, als er eines Tages feststellt, dass er der einzige Mitarbeiter in seinem Büro zu sein scheint. Er macht sich auf, um nach seinen Kollegen zu suchen.


Während des gesamten Spielverlaufes von „The Stanley Parable“ wird der Spieler von einem Erzähler begleitet. Der Erzähler ist das wahrscheinlich wichtigste Element des Spiels, da er nicht nur Stanleys genaue Situation erläutert, sondern auch die möglichen Entscheidungen, die sich vor ihm auftun.

Stanleys Aufgabe als Arbeiter 427 ist es an seinem Computer zu sitzen, Instruktionen zu befolgen und Knöpfe zu drücken und das jeden Tag. Ein Job, den die meisten als zermürbend und eintönig bezeichnen würden, doch Stanley liebt ihn. Eines Tages jedoch erscheinen keine Anweisungen mehr auf dem Bildschirm und es gibt auch keine neuen Aufgaben mehr. Stanley befindet sich in einem leergefegten Büro.

Wer nach strategischem Gameplay oder aufregenden Bosskämpfen sucht, der ist hier falsch. „The Stanley Parable“ ist ein Laufsimulator, die einzige Aufgabe des Spielers ist es sich durch das Bürogebäude zu navigieren. Im Vordergrund stehen Humor, Atmosphäre und eine surreale Erfahrung.

The Stanley Parable Launch Trailer

Das Büro-Abenteuer beginnt

Stanley muss nun die schwere Entscheidung treffen seinen Schreibtisch zu verlassen, um nach seinen Mitarbeitern zu suchen. Hier beginnt die besondere Dynamik zwischen dem Erzähler und dem Spieler. Der Erzähler gibt dem Spieler, nun Instruktionen, in dem er Stanleys Aktionen erklärt. So sagt er zum Beispiel „Stanley entschied sich, zum Konferenzraum zu gehen“ und fordert somit den Spieler auf genau das zu tun.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Spiels, sind die Entscheidungsmöglichkeiten. Das beste Beispiel hierfür sind zwei Türen, auf die der Spieler im frühen Spielverlauf trifft. Der Erzähler will das der Spieler durch die linke der beiden Türen geht. Der Spieler jedoch kann die Entscheidung treffen sich dem Erzähler zu widersetzten. 

Der Erzähler bleibt professionell und behält seine Fassung, sollte sich der Spieler jedoch mehrfach gegen ihn stellen, so kann er schnell auch mal etwas ungehalten werden und fängt an die Kompetenz des Spielers in Frage zu stellen. Anders als der typische Erzähler schreckt der Erzähler von „The Stanley Parable“ nicht davor zurück, dem Spieler seine Meinung zu sagen.

The Stanley Parable (Foto: Steam)
The Stanley Parable (Foto: Steam)

Unzählige Entscheidungsmöglichkeiten

„The Stanley Parable“ gibt dem Spieler eine große Vielzahl solcher Entscheidungsmöglichkeiten. Nicht nur das, die vielen Möglichkeiten sind alle miteinander verzweigt. Zusammen erzeugen sie ein Netzwerk von Wegen, die alle das Ende des Spiels beeinflussen.

Wenn eine dieser Varianten erreicht wurde, ist das Spiel allerdings nicht vorbei. Nach jeder durchgespielten Möglichkeit wird der Spieler sofort zurück an Stanleys Schreibtisch, zum Anfang des Spieles zurückgesetzt. Ein Neustart sozusagen. Trotz der vielen unterschiedlichen Enden, wird so ein flüssiges Spielerlebnis erzeugt.

Die Aktionen des Spielers beeinflussen auch die Umgebung in welcher Stanley sich befindet. Auf jedem Pfad gibt es etwas Neues zu entdecken. Die Entscheidungen des Spielers können dazu führen, dass er sich tief im Bürogebäude verirrt, nur um sich Minuten später in einem Museum wiederzufinden. Es ist unmöglich zu wissen, was einen erwartet. Wahlmöglichkeiten sind überall versteckt. Selbst das Verlassen von Stanleys Büro ist bereits die erste Entscheidung, die der Spieler trifft.

The Stanley Parable (Foto: Steam)
The Stanley Parable (Foto: Steam)

Viele Fragen – keine Antworten

Der Erzähler kann mehr als nur reden. Sollte der Spieler den Erzähler ein wenig zu sehr provozieren, übernimmt dieser die Kontrolle. Er kann die Welt um Stanley herum willkürlich verändern und umgestalten, was zu lustigen Resultaten und Aufgaben für Stanley führt.

So kann sich zum Beispiel neben den zwei Türen auch ganz schnell eine dritte Tür öffnen, die Stanley in einen Testraum leitet. Hier wird er dazu aufgefordert vier Stunden lang einen Knopf zu drücken, um einen Pappaufsteller zu stoppen, der auf ein Feuer zugeht. Genauso gut hätte er in einem abgeschnittenen Raum landen können, wo der Erzähler Stanley zwingt seine bisherigen Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Wie kommt es zu dem jeweiligen Dilemma? Eine einzige Entscheidung des Spielers macht den Unterschied. Wer Schwierigkeiten sucht wird immer wieder neue finden.

The Stanley Parable (Foto: Steam)
The Stanley Parable (Foto: Steam)

Sogar der Erzähler kann dabei den Überblick verlieren. Wenn der Spieler sich zu tief ins Gebäude verläuft, dann weiß auch der Erzähler nicht mehr weiter. Er hat die Geschichte verloren. Nun müssen Spieler und Erzähler sich mit vereinten Kräften die Geschichte wieder aneignen. Dies klingt absurd? Es geht noch schlimmer: folge einfach nur der gelben Linie, die aus dem nichts auftaucht.

Wer dazu keine Lust hat, kann sich auch einfach in die Besenkammer stellen und sich die Kommentare des verzweifelten Erzählers anhören. Mit ein wenig Glück und den richtigen Entscheidungen landest du mit Stanley vielleicht auch auf einer geheimen Disco-Party.

Das Spiel erzeugt mehr Fragen als es beantwortet. Das ist auch gut so und macht „The Stanley Parable“ zu dem was es ist: eine Erfahrung der besonderen Art in der das Gewicht deiner Entscheidungen besonders schwer wiegt. Zwar ist das Spiel mit seinen zwei bis drei Stunden Spielzeit nicht besonders lang, doch es bietet jede Menge Unterhaltung, von Anfang bis Ende. Wer nach einem neuen Spielerlebnis sucht oder sich die vielen humorvollen und passiv-aggressiven Kommentare des Erzählers auf Stanleys ungewöhnlichem Abenteuer anhören möchte, der sollte „The Stanley Parable“ mal ausprobieren

„The Stanley Parable“ ist auf Steam erhältlich.


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Otis Reinhardt

Otis Reinhardt ist freier Mitarbeiter bei Tonspion und betreut unter anderem unsere Games-Rubrik.