convert2mp3 geht vom Netz - auch Alternativen unter Druck

Legal oder illegal? Streamripper unter Druck der Musikindustrie

Der Youtube Converter convert2mp3 ist seit einigen Tagen nicht mehr erreichbar. Der Dienst, der kostenlose Downloads von Youtube und anderen Streaminganbietern ermöglichte, war unter anhaltendem Druck von den Anwälten der Musikindustrie. Wir haben Experten gefragt.

MP3 Converter ermöglichen den Download von Videos auf Youtube

Die MP3 Converter wie convert2mp3 oder OnlineVideoConverter ermöglichen den Download von Youtube Videos als MP3 Dateien, ganz egal, ob das vom Urheber so vorgesehen ist oder nicht. Auch eigene Dateien können in jedes beliebige Audio Format umgewandelt werden und mit einem Klick auf die Festplatte geholt werden.

Das ist sehr praktisch wenn etwa das kostenlose Download-Guthaben des Anbieters verbraucht ist oder wenn man Youtube Videos und Podcasts auch offline hören möchte. Doch die Musikindustrie versucht schon seit einiger Zeit, diese Anbieter verbieten zu lassen. Bisher mit eher bescheidenem Erfolg. 

Doch nun knickte der deutsche Anbieter Convert2MP3 ein. Er war von deutschen Musikfirmen wegen anhaltender Urheberrechtsverletzungen vor dem Hamburger Landgericht verklagt worden, worauf nun ein Vergleich geschlossen wurde. Der sieht die globale Abschaltung von Convert2MP3 sowie aller weiteren rechtsverletzenden Websites der Betreiber vor. Darüber hinaus wurde die Website verpflichtet, die Convert2MP3-Domain an IFPI zu übergeben. 

Legal oder illegal? Das sagen Rechtsexperten

Convert2mp3 sah sich lange klar im Recht, schließlich sei die Anfertigung einer Privatkopie durch das deutsche Urheberrecht erlaubt und nichts anderes sei das Rippen von Videos:

"Das Privileg auf eine Privatkopie (§53 UrhG) besteht auch bei "virtuellen" digitalen Recordern.
Du darfst dir daher für den eigenen Gebrauch und für den Gebrauch im Familien- und im Freundeskreis und als natürliche Person legale Online-Angebote wie YouTube, Dailymotion & Co. mithilfe von convert2mp3.net mitschneiden."
(convert2mp3)

Rechtsanwalt und Law-Blogger Thomas Stadler widerspricht dieser Auslegung. 

"In den Nutzungsbedingungen von Soundcloud (Terms Of Use) wird sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass das Kopieren und Rippen von Inhalten nur dann erlaubt ist, wenn der maßgebliche Uploader die Möglichkeit eines Downloads ausdrücklich vorgesehen hat. Das stellt meines Erachtens gegenüber registrierten Nutzern, die die Terms Of Use bei der Anmeldung akzeptiert haben, eine vertragliche Beschränkung dar." (Rechtsanwalt Thomas Stadler)

Doch wie ist es, wenn man sich gar nicht als Nutzer bei Soundcloud oder Youtube angemeldet hat und trotzdem einen Converter wie Convert2MP3 oder ähnliche verwendet?

„Es gibt im Urheberrecht eine Regelung, die es verbietet, technische Maßnahmen zum Schutz eines Werks zu umgehen. Ob die Beschränkung eines Angebots auf das Streaming eine solche technische Maßnahme darstellt, ist juristisch nicht abschließend geklärt, dürfte aber nicht abwegig sein.“ (Rechtsanwalt Thomas Stadler)

Mit anderen Worten: es ist vermutlich nicht legal, Musik, die vom Urheber nicht ausdrücklich zum Download vorgesehen ist, mit Hilfe von Streamrippern herunterzuladen. Selbst wenn es ein Recht auf Privatkopie gibt. Schließlich ist es das grundsätzliche Recht jeden Urhebers zu entscheiden wie und in welcher Form sein Werk verfügbar gemacht wird. Gerichte dürften wohl in jedem Fall für die Urheber entscheiden bei einer Abwägung der Rechte.

Video: Ist der Youtube-to-MP3 Downloader legal?

Etwas anders sieht das Rechtsanwalt und Youtuber Christian Solmecke in seinem Video-Beitrag zum Youtube-Ripper Convert2MP3. Er geht davon aus, dass Nutzer selbst kein Risiko auf solchen Plattformen eingehen, sofern sie nicht gleichzeitig als registrierte Nutzer angemeldet sind und gegen die AGB verstoßen. Youtube sei schließlich keine "offensichtlich illegale Quelle", so Solmecke in seinem Video.

Was sagt das Urheberrecht zum Download Videos oder Musik aus Youtube Streams?

"Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird."

Alles klar? Was das genau heißt, können am Ende nur Richter entscheiden. Recht ist eben immer auch Auslegungssache und Beispiele, bei denen die Nutzer der entsprechenden Programme tatsächlich vor Gericht gelandet sind, gibt es offenbar bisher keine. Deshalb kann man auch keine abschließende Aussage dazu machen, wie ein Gericht die Nutzung solcher Tools bewerten würde. Die Musikindustrie will offenbar auch nicht die Nutzer verklagen, sondern die Anbieter aus dem Netz verdrängen. 

Anbieter gehen ein erhebliches Risiko ein

"Die Hersteller solcher Tools gehen ein erhebliches Risiko ein. Wenn ein Fall der Umgehung einer technischen Schutzmaßnahme vorliegt, hat das zur Folge, dass derartige Tools und Services nach § 95 a Abs. 3 UrhG verboten sind und ihre Herstellung, Verbreitung etc. zu gewerblichen Zwecken nach § 108b Abs. 2 UrhG sogar strafbar wäre." (Rechtsanwalt Thomas Stadler)

In Dänemark wurde convert2mp3 bereits im Jahr 2018 für illegal erklärt, das heißt, dass die Seite dort komplett gesperrt wurde. Nun ist Deutschland nachgezogen. Die drohenden Strafen dürften den Anbieter zum Einlenken gezwungen haben. Andere Länder werden vermutlich nachziehen. 

In den USA hingegen ging der Verband der Musikindustrie RIAA erfolglos gegen den russischen Streamripper 2conv.com vor. Dessen Anwälte argumentierten vor Gericht, dass sich der Anbieter außerhalb der amerikanischen Rechtssprechung befinde - und bekamen Recht. Eine herbe Niederlage der Musikindustrie, die nun vermutlich noch jahrelang gegen Streamripper aus anderen Ländern und Rechtssystemen ankämpfen muss. Und das könnte sich über Jahre hinziehen.

Der Verband der deutschen Musikindustrie feiert das Ende von convert2mp3 dennoch als großen Erfolg: 

"Erfreulich ist, dass auch die deutschen Gerichte klarstellen: Streamripping-Dienste können sich nicht mehr einfach auf die Privatkopieausnahme berufen. Es ist nicht der Nutzer, sondern der Dienst, der die Vervielfältigung der Musikdateien vornimmt. Es ist ein wichtiger Schritt nach vorn, dass solche Dienste immer häufiger in die Verantwortung genommen werden - zu Gunsten der Kreativen und ihrer Partner wie auch der Nutzerinnen und Nutzer."
René Houareau, Geschäftsführer Recht & Politik beim BVMI

Legale Alternativen für convert2mp3

Wer eine legale Alternative zu den Streamrippern sucht und sein Geld nicht in kostenpflichtige Downloads investieren möchte, dem bleiben die diversen legalen Streamingdienste wie Spotify, Deezer, Amazon Music Unlimited, Apple Music oder Tidal.

Diese bieten legale Musik in bester Qualität. Verzichten muss man zwar auf unveröffentlichte Konzertmitschnitte und Bootlegs, diese stehen aber weiterhin jederzeit als Stream bei Youtube zur Verfügung. Und jeder ist heute rund um die Uhr online.

Es ist also die große Frage, warum man sich Musik überhaupt noch auf Festplatten horten muss. Das Spotify Family Abo gibt es bereits ab 2,50 Euro pro Nutzer und bietet Musik in bester Soundqualität. Und man hat jederzeit Zugriff auf Millionen Songs auf jedem Gerät. In der werbefinanzierten Version ist das Angebot sogar völlig kostenlos.

Eins ist völlig klar: Musik gibt es nicht zum Nulltarif, viele Menschen arbeiten dafür, euch mit guter Musik zu versorgen und natürlich müssen sie etwas mit ihrer Arbeit verdienen. Wer arbeitet schon für umsonst?

▷ Jede Woche neu: Die Tonspion Tracks der Woche auf Spotify

Streamripper: Keine Alternative für wahre Musikfans

Online-Videos sind fast immer stark komprimiert, damit sie schnell und ruckelfrei geladen werden können. Das heißt, die Audiospur hat keine besonders gute Soundqualität. Es ist ein bisschen wie am Kassettenrekorder das Radioprogramm mitzuschneiden. Es geht, aber nur wenn man keinen Wert auf Qualität legt oder kein Geld hat. So wie in den 80ern ganze Radiosendungen auf Kassetten mitgeschnitten wurden, sind auch Video Konverter nur Hilfsmittel, ersetzen aber keine Streamingplattform, die viel mehr Komfort und auch bessere Qualität bieten.

Deshalb empfehlen wir, lieber ein paar Cents zu investieren und sich Musik zu kaufen oder einen Streamingdienst zu abonnieren. Es lohnt sich: und die Urheber werden für ihre Arbeit bezahlt und Musikfans bekommen beste Klangqualität.

Tipp: Ganz legale MP3 Downloads gibt es übrigens in unserer Rubrik "Free Downloads"

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