Nach mehr als sechs Jahren ist Schluss: Jan Böhmermann beendet sein „ZDF Magazin Royale“ zum Jahresende 2026. Die letzte Ausgabe der Satire- und Investigativsendung soll am 18. Dezember ausgestrahlt werden.
Das ZDF hat das Ende des „ZDF Magazin Royale“ inzwischen offiziell bestätigt. Nach 187 Ausgaben im Hauptprogramm werde die Sendung „in der bisherigen Form“ zum Jahresende auslaufen. Böhmermann selbst begründet die Entscheidung mit dem Wunsch nach Veränderung: „Ich möchte noch mal eine andere Sendung machen.“
Damit endet ein Format, das seit November 2020 regelmäßig am späten Freitagabend im ZDF zu sehen ist und Satire zunehmend mit journalistischen und investigativen Elementen verbunden hat. Die Sendung wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.
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Ein vollständiger Abschied Böhmermanns vom Sender steht allerdings nicht fest. Das ZDF befindet sich nach eigenen Angaben derzeit in „guten Gesprächen“ mit dem Moderator über ein neues Show-Konzept. Programmdirektorin Nadine Bilke erklärte, man würde die Zusammenarbeit mit Böhmermann gerne fortsetzen und gemeinsam ein neues Kapitel entwickeln. Konkrete Angaben zu Inhalt, Titel oder Starttermin gibt es bislang nicht.
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Nach Informationen des Medienmagazins DWDL soll mit dem Ende des bisherigen Formats Raum für die Entwicklung einer neuen wöchentlichen Sendung geschaffen werden. Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre ein Start offenbar frühestens im Laufe des Jahres 2027 denkbar.
Mehr als Late Night: Die investigativen Recherchen des „ZDF Magazin Royale“
Das „ZDF Magazin Royale“ entwickelte sich über die Jahre von einer klassischen Satire- und Late-Night-Sendung zu einer Redaktion, die regelmäßig umfangreiche Recherchen veröffentlichte und dafür mit externen Rechercheteams und Organisationen zusammenarbeitete.
Eine der aufsehenerregendsten gemeinsamen Veröffentlichungen waren 2022 die NSU-Akten in Zusammenarbeit mit der Transparenzplattform Frag den Staat. Dabei handelte es sich um einen 173 Seiten umfassenden Bericht des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz zur eigenen Aufarbeitung des NSU-Komplexes. Der Bericht war als geheim eingestuft und sollte ursprünglich 120 Jahre lang unter Verschluss bleiben. „ZDF Magazin Royale“ und FragDenStaat veröffentlichten eine Transkription des Dokuments und machten auch die Antworten des Verfassungsschutzes und des hessischen Innenministeriums auf ihre Fragen öffentlich.
Die Veröffentlichung hatte auch juristische Folgen: Der hessische Verfassungsschutz erstattete Strafanzeige wegen der Weitergabe der Verschlusssache. Die daraufhin aufgenommenen Ermittlungen wegen Geheimnisverrats wurden 2024 eingestellt, weil keine tatverdächtige Person ermittelt werden konnte.
Mit FragDenStaat entstanden noch weitere Recherchen, die für Aufsehen sorgten. Dazu gehörten die Veröffentlichung eines vollständigen Chats hessischer Polizeibeamter mit rechtsextremen und menschenverachtenden Inhalten sowie Untersuchungen zu Steueroasen und politischen Netzwerken.
Für andere Projekte holte sich die Redaktion ebenfalls spezialisierte Partner. Gemeinsam mit AlgorithmWatch untersuchte das „ZDF Magazin Royale“ beispielsweise KI-Projekte zur Überwachung und Kontrolle der EU-Außengrenzen. Bei anderen Themen arbeitete die Sendung unter anderem mit dem inklusiven Magazin andererseits, der Gesellschaft für Freiheitsrechte und den Sozialhelden zusammen.
Zu vielen Recherchen entstanden eigene Websites, Dokumentationen und Datensammlungen, damit schufen Böhmermann und sein Team immer wieder eine Brücke vom klassischen Fernsehen zum Internet und zeigten, wie zeitgemäßes Fernsehen aussehen kann.
Aus dem Format „Lass dich überwachen“ ist inzwischen eine eigene TV-Show entstanden, bei der Zuschauern unterhaltsam vor Augen geführt wird, welche privaten Informationen sie öffentlich im Internet teilen, ohne sich darüber bewusst zu sein.
Auch geplante Tour des Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld abgesagt
Von dem Aus der Sendung ist auch das Tanzorchester Ehrenfeld betroffen. Eine für Anfang 2027 geplante Tournee dwurde abgesagt. Das Ensemble gehört seit Jahren fest zu Böhmermanns Fernsehsendungen und feierte im Mai 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Laut ZDF stand das 15-köpfige Orchester bis dahin bereits bei 283 Sendungen aus der „Neo Magazin“- und „ZDF Magazin Royale“-Ära auf der Bühne.
Gerade musikalisch entwickelte das Format über die Jahre ein eigenes Profil. Das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld spielte mit zahlreichen Gästen, darunter Kraftklub, Deichkind, Herbert Grönemeyer, Stromae, Wolf Alice, Arlo Parks, The Last Dinner Party, Zaho de Sagazan, Clueso und Giant Rooks.
Vom „Neo Magazin“ ins ZDF-Hauptprogramm
Das Ende des „ZDF Magazin Royale“ schließt ein weiteres Kapitel einer Fernsehgeschichte, die bereits 2013 begann. Damals startete Böhmermann mit dem „Neo Magazin“ bei ZDFneo. Später wurde daraus das „Neo Magazin Royale“, bevor der Moderator 2020 mit dem weiterentwickelten „ZDF Magazin Royale“ ins Hauptprogramm wechselte.
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Dabei veränderte sich auch die Ausrichtung der Sendung. Neben klassischen Late-Night-Elementen, Musik und Satire rückten zuletzt ausführlich recherchierte Beiträge zu gesellschaftlichen und politischen Themen in Zusammenarbeit mit stärker in den Mittelpunkt. Einige davon sorgten für öffentliche Debatten weit über die eigentliche Sendung hinaus.
Böhmermann bleibt zudem abseits des „ZDF Magazin Royale“ aktiv. 2026 lief bei ZDFneo die fünfte Staffel seiner Koch- und Gesprächssendung „Böhmi brutzelt“, für die acht neue Folgen produziert wurden. Zudem quatscht er weiterhin jeden Sonntag mit Olli Schulz im Podcast „Fest & Flauschig“.
Wie seine nächste große Fernsehsendung aussehen wird, bleibt vorerst offen. Fest steht bislang nur der Termin für das Ende des aktuellen Formats: Am 18. Dezember 2026 soll das „ZDF Magazin Royale“ nach 187 Ausgaben im Hauptprogramm zum letzten Mal ausgestrahlt werden. Und man kann getrost davon ausgehen, dass es mit einer großen Show enden wird.

